Alant – alte Apfelsorte trotzt Feuerbrand

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Wädenswil, 19.11.2012 – Eine bisher weitgehend unbekannte Apfelsorte aus Gondiswil (BE) hat dank ihrer Robustheit gegenüber der Pflanzenkrankheit Feuerbrand das Interesse der Forschung geweckt. Im Auftrag der Vereinigung Fructus untersuchen nämlich Agroscope-Experten die Eigenschaften alter Schweizer Obstsorten und sind so auf Alant gestossen. Die guten Eigenschaften von Alant lassen eine Zukunft als erstklassige Mostapfelsorte und als wertvolle Elternsorte für die Apfelzüchtung erwarten.

Der letzte bekannte Baum der Schweizer Apfelsorte Alant fiel vor ein paar Jahren einem Sturm zum Opfer. Ein Glück ist sie nicht nur vom Unwetter erfasst worden, sondern auch im Rahmen eines Projektes des «Nationalen Aktionsplan zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft» (NAP-PGREL; Details siehe Kasten). In verschiedenen Sortensammlungen gepflanzt, lebt Alant weiter. Denn das Ziel des NAP-Projektes ist es, die Vielfalt an Eigenschaften der gesammelten Obstsorten zu untersuchen und verfügbar zu machen für Züchter und Produzenten.

Die Feuerprobe im Sicherheitsgewächshaus

Nebst den äusseren und inneren Eigenschaften der Früchte haben Agroscope-Experten auch Baumeigenschaften erhoben, molekulargenetische Profile erstellt und die Sorten bezüglich der Anfälligkeit gegenüber den Krankheiten Schorf, Mehltau und Feuerbrand untersucht. Sie haben Jungbäume alter Sorten im Sicherheitsgewächshaus von Agroscope mit Feuerbrand infiziert. Dabei fiel den Forschern Alant auf. Während andere Sorten innert kürzester Zeit zum Teil massive Krankheitssymptome ausbildeten, wies Alant eine aussergewöhnlich hohe Robustheit gegenüber dieser Bakterienkrankheit auf.

Von bisher über 200 getesteten Apfel- und Birnensorten aus dem Nationalen Obstinventar konnte keine andere Sorte mit einem ähnlich guten Resultat aufwarten. Immer wieder hat man Sorten gefunden, die als wenig anfällig eingestuft werden konnten (etwa Schneiderapfel oder Heimenhofer), doch Alant übertrumpft sie alle.

Alant hat weitere Trümpfe in den Genen

Nebst der Robustheit gegenüber Feuerbrand ist Alant auch ein guter Tafel- und Mostapfel. Das macht ihn insbesondere für den Mostobstanbau auf traditionellen Hochstammbäumen interessant. Daneben ist der wertvolle Apfel als Elternsorte für das Züchtungsprogramm von Agroscope gleichsam zum Kronprinzen avanciert. Bereits wurde Alant mit anderen Sorten gekreuzt, in der Hoffnung, dass er seine positiven Eigenschaften, insbesondere gegen Feuerbrand, an die nächste Generation weitervererbt.

Mit dem letzten Baum hat Alant eine neue „Karriere“ gestartet – als wiederentdeckte Apfelsorte für Produzenten und vielversprechende Elternsorte zur Züchtung neuer Apfelsorten für Konsumentinnen und Konsumenten.

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Im Kern ein Berner oder doch deutsche Wurzeln?

Der Name Alant sorgte kurzzeitig für Verwirrung, denn in der Fachliteratur ist eine alte norddeutsche Sorte mit Namen Alantapfel beschrieben. Molekulargenetische Untersuchungen und der Vergleich von Fruchtmustern haben jedoch ergeben, dass es sich bei den beiden Alant-Äpfeln nicht um dieselbe Sorte handelt. Der in Gondiswil entdeckte Alant scheint also ein echter Berner zu sein. Einer zudem, welcher ohne das NAP-PGREL-Programm des Bundesamtes für Landwirtschaft für immer verloren gegangen wäre. Dieses Beispiel zeigt die Wichtigkeit der Arbeiten, welche im Rahmen des NAP-PGREL durchgeführt werden.

FRUCTUS hat begonnen, erste Hochstammbäume dieser Sorte zu vermehren, um mehr Informationen für einen späteren Wiederanbau zu erhalten. Diese Aktion ist auch dank der neuen Zusammenarbeit von FRUCTUS mit IP-Suisse und Migros zustande gekommen.

Details zu NAP-PGREL

Im Rahmen des NAP-PGREL wird das Projekt «Beschreibung von Obstgenressourcen» (BEVOG) vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW finanziell unterstützt und im Auftrag von Fructus bei Agroscope durchgeführt. Im Projekt werden jährlich die Eigenschaften von ca. 300 Obstsorten erfasst. Alant stammt aus Gondiswil im Nordosten des Kantons Bern. Im Rahmen der gesamtschweizerischen Inventarisierung alter Obst- und Beerensorten in den Jahren 2000-2005 wurde gerade mal ein Baum von der Sorte entdeckt. Davon wurden Edelreiser geschnitten, woraus junge Bäume zur Erhaltung in Obstsortensammlungen produziert wurden. Dank dieser Massnahme konnte die Sorte für die Nachwelt erhalten werden.


Adresse für Rückfragen

Kaspar Hunziker, Teilprojektleiter 04 NAP-P21
Apfelzüchtung und Obstgenressourcen
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW
Postfach, CH-8820 Wädenswil, Schweiz
kaspar.hunziker@acw.admin.ch
+41 (0)44 783 6180

Klaus Gersbach, Fructus
Wangenerstr. 22, 8307 Effretikon
klaus.gersbach@fructus.ch
+41 (0)79 231 58 38

Carole Enz, Mediendienst
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW
Postfach, CH-8820 Wädenswil, Schweiz
carole.enz@acw.admin.ch
+41 (0)44 783 62 72, +41 (0)79 593 89 85


Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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