Arbeitslose über 50 fanden schneller einen neuen Job als der Durchschnitt

Rate this post

Jahresstatistik 2021 zur beruflichen Neuorientierung und Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt

(Bern/Genf/Zürich)(PPS) Dies zeigt die aktuelle Markterhebung des Schweizer Branchenverbands für Outplacement (ACF Switzerland) für die rund 4200 Stellensuchenden, die sich im Jahr 2021 von den ACF-Mitgliedern professionell beraten und begleiten liessen. Im Durchschnitt fanden diese nach rund sieben Monaten eine Neuanstellung (2020: 8,18 Monate), was sogar kürzer als 2019 noch vor der Coronapandemie ist. Gar noch schneller fanden Arbeitssuchende über 50 Jahre die berufliche Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, nämlich innert weniger als sieben Monaten (2020: 8 Monate). Die ACF-Coaches führen dies darauf zurück, dass Stellensuchende über 50 aktiver sind bei der Suche nach dem nächsten Karriereschritt und mehr Zeit für Weiterbildungsmassnahmen aufwenden, um ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu behalten oder zu verbessern. Stelleninserate und Internet sind neben dem persönlichen Networking, das pandemiebedingt letztes Jahr vermehrt online stattfand, nach wie vor die mit Abstand wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der beruflichen Neuorientierung. Mehr als die Hälfte der Bewerberinnen und Bewerber wechselte in den Dienstleistungssektor, rund 30% in den Industriesektor. Auffallend ist der sehr stark gestiegene Anteil des Non-Profit-Sektors mit rund 7%. Den Schritt in die Selbstständigkeit wagten 2021 nach einem Höchststand im Vorjahr (2020: knapp 10%) nur noch rund 5% und damit markant weniger, wohl nicht zuletzt da sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2021 nach dem ersten Pandemiejahr gut erholt hatte und viele neue Chancen bot.

Seit 2004 erhebt der Schweizer Branchenverband für Outplacement ACF (Schweizerischer Verband der Unternehmen für persönliche und organisatorische Veränderung) Schlüsseldaten zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt der von ACF-Mitgliedern betreuten Stellensuchenden in der Schweiz. Im Jahr 2021 haben die ACF-Verbandsmitglieder rund 4200 Stellensuchende mit professioneller Beratung und personalisierten Dienstleistungen im Bereich von Out- und Newplacement, Assements und Coaching unterstützt. Davon sind rund 46% Frauen, was ein neuer Höchststand ist. Rund 70% der betreuten Stellensuchenden wurden in einem individuellen Outplacement-Programm beraten.

85 Prozent der Stellensuchenden finden innert maximal acht Monaten eine neue Beschäftigung

Die Zahlen entsprechen in etwa dem Durchschnitt der Jahre vor dem ersten Pandemiejahr 2020, als mit rund 5000 Stellensuchenden ein Höchststand erreicht wurde. Den Rückgang zum Vorjahr führt der Verband darauf zurück, dass zum einen im vergangenen Jahr weniger Restrukturierungsprojekte durchgeführt wurden. Auch die finanzielle Unterstützung der Unternehmen durch den Bund und die soziale Verantwortung vieler Unternehmerinnen und Unternehmer dürften Gründe für eine eher defensive Kündigungspolitik sein. Zudem ist ein Mitglied aus dem Verband ausgeschieden, weshalb dessen Daten in der aktuellen Marktstatistik nicht mehr berücksichtig sind.

Erneut fanden mehr als vier Fünftel (84,37 %) der von ACF-Verbandsmitgliedern betreuten Stellensuchenden innert zwei bis acht Monaten eine neue Herausforderung (2020: 84,94 %). Oder anders ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, spätestens innerhalb von acht Monaten oder weniger wieder eine Arbeitsstelle zu finden, liegt unverändert bei hohen 85 Prozent. Die durchschnittliche Zeit bis zur beruflichen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ist 2021 um rund einen Monat gesunken und lag bei 7,04 Monaten (2020: 8,18), was kürzer als in den Jahren vor der Pandemie ist. Stellensuchende über 50 fanden 2021 sogar noch schneller eine neue Stelle, im Schnitt innert 6,73 Monaten (2020: 8,00).

Stellensuchende 50+ sind aktiver bei der Suche nach dem nächsten Karriereschritt

Die ACF-Coaches stellten dabei häufig fest, dass 50+ Kandidatinnen und Kandidaten mehr Zeit für Weiterbildungsmassnahmen investieren, um ihre Arbeitsmarktfähigkeit zu behalten oder zu verbessern. Vielleicht fühlen sie sich auch mehr motiviert – oder auch unter Druck –, sich beruflich weiterzuentwickeln, neue Aufgaben oder Funktionen zu übernehmen oder sich beruflich ganz neu zu orientieren, und sind daher aktiver bei der Suche nach dem nächsten Karriereschritt. Die Fragestellung, welche neuen, zeitgemässen Kompetenzen dafür notwendig sind und inwiefern man bereits darüber verfügt, sich aneignen oder auffrischen muss, ist gemäss ACF dann auch einer der häufigen Gründe, warum diese dafür eine professionelle Betreuung bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess hinzuziehen.

Networking-Events pandemiebedingt praktisch nur online möglich

Stelleninserate und das Internet nehmen seit Jahren an Bedeutung zu und waren vergangenes Jahr mit 39,14 % (2020: 31,32 %) zum ersten Mal die bevorzugten Wege bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Zusammen mit dem persönlichen Networking mit 37,72% (2020: 45,43 %) sind dies unverändert die mit Abstand beiden wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der beruflichen Neuorientierung. Such- und Personaldienstleister waren für 9.07 % (202: 8,85 %) aller Fälle verantwortlich, und auch der Anteil der innerbetriebliche Umsetzung hat mit 5,05 % (2020: 4,34 %) wieder leicht zugenommen. Soziale Medien sind mit 5,74 % (2020: 5,63 %) zwar hilfreich, stagnieren aber in ihrer Bedeutung auf tiefem Niveau. Hingegen sind Spontanbewerbungen mit einem Anteil von 3,28 % (2020: 4,33 %) erneut noch weniger relevant.

Unverändert hohe Nachfrage nach Out- und Newplacement, Assements und Coaching

Der festgestellte Bedeutungsverlust des persönliche Networking, also die aktive Nutzung des persönlichen Beziehungsnetzes mit Freunden, Bekannten und ehemaligen Berufskollegen, ist wahrscheinlich auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Das soziale Leben kam zum Stillstand, Networking-Events konnten nicht oder nur online abgehalten werden. Networking, der Fokus auf den Erhalt und die Verbesserung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit sowie die gemischte Nutzung vieler Kanäle zur gleichen Zeit sind jedoch nach Ansicht der ACF-Mitglieder weiterhin wichtige Schlüsselelemente bei der beruflichen Neuorientierung.

Hier scheint eine angemessene und professionelle Unterstützung bei der Jobsuche einen Unterschied machen zu können. Viele Kandidierende seien gemäss dem Karriere-Coaches des ACF durch die unverändert hohe Dynamik im Arbeitsmarkt zusätzlich verunsichert. Verschiedene Analysen, Selbsttests und Rollenspiele können hier viel zur Selbsterkenntnis beigetragen und helfen, auch Selbstvertrauen wiederzuerlangen, was für erfolgreiche Vorstellungsgespräche entscheidend ist. Die Nachfrage nach Schulungen und Aufnahme in Programme für Out- und Newplacement, Assements und auch Führungscoaching war deshalb gemäss dem Branchenverband auch im vergangenen Jahr nach wie vor sehr gross. Für viele Unternehmen und Organisationen stehen dabei kontinuierliche Weiterbildung und Umschulungen, um die Führungs- und Managementkompetenzen zu stärken, sowie Schlüsselthemen wie New Work, Diversity und Integration innerhalb der Organisation im Zentrum.

Die meisten Neuanstellungen im Dienstleistungs- und Industriesektor – NPOs mit starkem Zuwachs

2021 kam die Mehrheit der Stellensuchenden mit 43,85% (2020: 42,98 %) erstmals aus dem Industriesektor, gefolgt vom Dienstleistungssektor, dessen Anteil von 46,44 % im Jahr 2020 auf 42.59 % im vergangenen Jahr zurückging. Leicht zugenommen hat erneut die Zahl der Stellensuchenden aus Verwaltungsstellen auf 6,52 % (2020: 6,21 %). Auffallend ist zudem der sehr starke Anstieg des Non-Profit-Sektors auf 7,04 % (2020: 5,37 %), was einen neuen Höchstwert darstellt. In der Vergangenheit nutzten staatliche Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen Outplacement-Dienstleistungen eher weniger.

Auf der anderen Seite fand mehr als die Hälfte der von ACF-Beratungsunternehmen betreuten Kandidierenden eine Wiederanstellung im Dienstleistungssektor (54,80 %), markant mehr als im Vorjahr (2020: 49,04 %). Erneut wurden damit im Dienstleistungssektor mehr Bewerberinnen und Bewerber eingestellt als entlassen. 30,87 % konnten im Industriesektor wiederbeschäftigt werden (2020: 31,82 %). Interessant ist auch der mit 4,54 % im Vergleich zum Vorjahr sehr stark gewachsenen Anteil von Anstellungen bei Non-Profit-Organisationen (2020: 1,4 %), während dieser bei Verwaltungen auf 4,16 % zurückging (2020: 5.82 %).

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagten 2021 nach einem Höchststand im Vorjahr (2020: knapp 10%) nur noch rund 5% und damit wieder markant weniger. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Arbeitsmarkt 2021 als logische Erholung nach dem ersten Pandemiejahr viele Möglichkeiten bot.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

Kommentar hinterlassen zu "Arbeitslose über 50 fanden schneller einen neuen Job als der Durchschnitt"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.