Ein neu aufkommendes Virus bedroht die Artemisia annua-Kulturen

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Changins, 07.07.2009 – Der einjährige Beifuss (Artemisia annua) wird in Afrika und Asien zur Herstellung von Artemisinin angebaut, einem Wirkstoff zur Behandlung von Malaria. Im Wallis, wo der einjährige Beifuss angebaut wird, um artemisininreiches Saatgut zu züchten, wurde eine Verkümmerung von Pflanzen festgestellt. Studien der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW haben ein bisher unbekanntes Virus in den Proben kranker Pflanzen nachgewiesen.

Therapien auf Artemisininbasis

Seit rund zehn Jahren wird der einjährige Beifuss, eine Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse, in Asien (hauptsächlich in China und Vietnam) und Afrika zur Artemisininherstellung angebaut. Die von der WHO empfohlenen Artemisinin-Kombinationstherapien (Artemisinin-based combination therapy, ACT) ermöglichen die Behandlung von Malaria. Gegenüber herkömmlichen Behandlungen zeigen sie kaum Nebenwirkungen und sind ausserdem sehr wirksam gegen Plasmodium falciparum-Stämme (dem für schwere Malaria verantwortlichen Erreger), die bisher gegenüber herkömmlichen Behandlungen resistent waren.

Schutz der Artemisia annua-Kulturen: eine grosse Herausforderung

Bis heute wurde bei Artemisia annua kein bedeutender Schädling oder Erreger beschrieben. Seit einigen Jahren jedoch wird bei Walliser Kulturen ein Verkümmern von Pflanzen beobachtet. Die Symptome äussern sich in Welken und Kümmerwuchs und demzufolge hohen Ertragseinbussen. Von ACW durchgeführte Untersuchungen von Extrakten kranker Pflanzen wiesen beim einjährigen Beifuss erstmals die Präsenz eines Virus mit kugelförmigen Partikeln nach. Dieses neu aufkommende Virus, das wahrscheinlich am Welken von Artemisia annua beteiligt ist, gehört zur Gattung Sobemovirus. Mehrere Vertreter wurden bereits beschrieben, die unter anderem Gräser und Rosengewächse infizieren. ACW hat verschiedene serologische und molekulare Methoden entwickelt, um eine rasche Diagnose dieses neuartigen Virus zu vereinfachen. Diese Diagnostikinstrumente werden künftig erlauben, die Biologie dieser Viruskrankheit, insbesondere seine Übertragung, zu erforschen und eine Bekämpfungsstrategie zum Schutz der Artemisia annua-Kulturen zu entwickeln. Aufgrund des Stellenwerts der Artemisinin-Kombinationstherapien (ACT) stellt der Pflanzenschutz der Artemisia annua-Kulturen eine grosse Herausforderung bei der Malariabekämpfung dar. Malaria führt jährlich zum Tod mehrerer Hunderttausend Menschen, insbesondere Kinder unter 5 Jahren.


Adresse für Rückfragen

Carole Balmelli
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW,
Postfach 1012, CH-1260 NYON
Tel.: +41 22 363 43 69
E-Mail: carole.balmelli@acw.admin.ch
www.acw.admin.ch

Xavier Simonnet
Médiplant
Route des Vergers 18, CH-1964 Conthey
Tel.: +41 27 345 35 17
E-Mail: xavier.simonnet@acw.admin.ch
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Sébastien Besse
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW,
Postfach 1012, CH-1260 NYON
Tel.: +41 22 363 43 71
E-Mail: sebastien.besse@acw.admin.ch
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Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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