Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP:Rindfleisch aus dem Berggebiet – eine Fleischproduktion mit unbestrittenen Vorteilen

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Liebefeld (BE), 27.05.2008 – Im Berggebiet ist die Landwirtschaft, durch welche die Pflege einer offenen und vielfältigen Landschaft sichergestellt wird, im Rückgang. Extensive Rindfleischproduktion könnte hier zu einer interessanten Lösung werden. Die Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP hat sich näher mit den Besonderheiten von Fleisch der Eringerrasse befasst.

Die Öffnung der Agrarmärkte setzt die Landwirtschaft einem hohen wirtschaftlichen Druck aus, der eine umfassende Restrukturierung der Betriebe auslöst. Im Berggebiet ist diese Entwicklung besonders ausgeprägt und geht mit dem Aufgeben von Produktionsformen und Praktiken einher, die als Garanten einer offenen und vielfältigen Landschaft gelten. Extensive Rindfleischproduktion im Berggebiet könnte zu einer interessanten Lösung werden. Die Tiere werden im Wesentlichen mit Gras von Wiesen und Weiden ernährt, die keine andere Bewirtschaftungsform zulassen. Somit ist auch keine Konkurrenz zur menschlichen Ernährung gegeben. Extensive Rindfleischproduktion sorgt für den Erhalt der Biodiversität und bietet eine interessante Ergänzung zur Milchproduktion bei gleichzeitiger Gewähr, die landwirtschaftliche Tätigkeit innerhalb der sozioökonomischen Struktur aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus lassen sich für diese Produktionsform lokale Rassen einsetzen.

Fleisch aus der Region
Zusammen mit der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW, der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der Zentrale für landwirtschaftliche Beratung AGRIDEA nimmt die Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP aktiv am Projekt Pasto teil. Ziel des Projekts ist es, eine Produktionsweise zu untersuchen, die eine mögliche Alternative ist zum sozioökonomischen Druck, dem die zukünftigen Landwirtschaft in wenig konkurrenzfähigen Regionen ausgesetzt ist sowie der Umwelt- und Landschaftsprobleme, die bei der Aufgabe vormals genutzter Flächen entstehen. Die Einzigartigkeit des Projekts beruht auf seiner multidisziplinären Ausrichtung. Pasto stützt sich auf Mutterkühe der Eringerrasse ab. Diese Rasse wurde zum einen aufgrund züchterischer und kultureller Überlegungen ausgewählt, zum anderen aber auch weil sie das Interesse an der Vermarktung von „Fleisch aus unseren Bergen“ repräsentiert. Ausserdem ist abzuklären, ob sich das produzierte Fleisch von vergleichbaren Produkten bezüglich Rasse, Produktionsform und -region unterscheidet.

Weidearoma
Die Fleischqualität von Tieren aus extensiven Produktionssystemen in Berggebieten wird verkannt. ALP hat versucht herauszufinden, ob die Eigenschaften von auf Weidebasis produziertem Fleisch durch eine Produktion in den Bergen stärker ausgeprägt wurden. Fleisch der Eringerrasse, welches in mittlerer Höhenlage im Jura und im Wallis produziert wurde, weist keine besonderen sensorischen Eigenschaften auf. Erstaunlicherweise ist das Weidearoma nur schwach ausgeprägt. Wird das Fleisch in grösserer Höhenlage produziert, wird es als weniger zart eingestuft. Das im Berggebiet produzierte Fleisch und insbesondere dasjenige, welches von den Tieren stammte, die auf 1800 m Höhe weideten, ist resistenter gegenüber der während des Konservierungsprozesses möglicherweise auftretenden Oxidierung. Auch ist der Tropfsaftverlust hier etwas geringer, verglichen mit dem Fleisch von intensiv gemästeten Tieren aus dem Talgebiet.

Fleisch der Eringerrasse beliebter als brasilianisches Rindfleisch
Das unterschiedlich produzierte Fleisch wurde Konsumententests unterzogen. Auf 1200 m Höhe im Jura oder Wallis produziertes Fleisch wurde ähnlich beurteilt wie aus dem Talgebiet stammendes Fleisch. Das in grösserer Höhe auf magereren und steileren Weiden im Wallis produzierte Fleisch wurde hingegen weniger gut bewertet. In einem anderen Test war Fleisch von Tieren der Eringerrasse im Vergleich zu Schweizer Fleisch ohne Label und aus Brasilien importiertem Fleisch am beliebtesten.

Der Stempel der Gegend
Durch diese Studie konnte Fleisch, welches im Berggebiet insbesondere mit der Eringerrasse produziert wurde, charakterisiert werden. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass das Fleisch ausser spezieller Fettsäurenmuster, die sich aus der auf Gras basierenden Ernährung ergeben und Auskunft über die Produktionsregion geben, auch zusätzliche Vorteile im Hinblick auf den Nährwert aufweist. Die Auswirkungen auf die sensorischen Eigenschaften sind nuancierter zu betrachten: Sie erweisen sich als leicht negativ, wenn das Fleisch von Alpweiden oberhalb der Maiensässzone stammt. Dies sollte das Vermarktungspotenzial von Fleisch aus dem Berggebiet allerdings nicht beeinträchtigen, da solches Fleisch bei denjenigen Konsumentinnen und Konsumenten ein sehr gutes Image besitzt, die nicht nur nach streng organoleptischen Kriterien kaufen, sondern für die auch die Produktionsweise und die Standortverbundenheit des Produktes eine Rolle spielen.

Rindfleisch auf dem Schweizer Teller
Fleisch enthält Proteine und essentielle Fettsäuren ebenso wie nahezu alle Vitamine, sowie einen grossen Teil der Mineralstoffe und Spurenelemente und erweist sich als wertvolles Lebensmittel auf unserem Teller. Im vergangenen Jahr wurden 25,4 kg Schweinefleisch, 10,7 kg Rindfleisch und 9,6 kg Geflügelfleisch pro Kopf verzehrt. In den letzten 15 Jahren wurde ein Rückgang des Verzehrs von Rind- und Schweinefleisch verzeichnet, wohingegen der Geflügelfleischkonsum anstieg. Gleichwohl hat Rindfleisch in der Ernährung von Konsumentinnen und Konsumenten, die immer sensibler auf die Produktionsweise reagieren, einen hohen Stellenwert.


Adresse für Rückfragen

Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP
Tioleyre 4
Postfach 64
1725 Posieux
Tel. : 026 407 54 76
E-Mail : donatella.delvecchio@alp.admin.ch


Herausgeber

Bundesamt für Landwirtschaft
http://www.blw.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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