Grüne Wirtschaft: Ökodesign soll die Land- und Ernährungswirtschaft weiterbringen

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Zürich, 03.10.2013 – Auch die Land- und Ernährungswirtschaft muss ihren Beitrag zur Grünen Wirtschaft leisten. Eine Grundlage für die Entwicklung ressourcenschonender Produkte sind Ökobilanzen. Der Einsatz von Ökodesign-Methoden steht in der Landwirtschaft jedoch noch am Anfang.

„Man gewinnt Zeit, spart Geld und kommt gezielter zum Erfolg“, sagt Gérard Gaillard, Leiter der Forschungsgruppe Ökobilanzen, anlässlich der 7. Ökobilanzplattform Landwirtschaft von Agroscope in Zürich, Reckenholz. „Dank Ökodesign werden die Auswirkungen eines Produktes auf die Umwelt bereits am Anfang der Produktentwicklung quantifiziert. Die Grundlage dafür bilden Ökobilanzen, die aufgrund entsprechender Datenbanken berechnet werden.“

Unternehmen unterstützen für Produktumweltdeklarationen

Der Bundesrat hat im März den Aktionsplan Grüne Wirtschaft verabschiedet. Verschiedene Massnahmen im Rahmen dieses Aktionsplans stützen sich auf Ökobilanzen als Entscheidungsgrundlage oder Berechnungswerkzeug. Die Umweltbelastung des privaten Konsums ist erheblich, weshalb zahlreiche Massnahmen auf die Reduktion von dessen Fussabdruck hinwirken. Ruth Freiermuth Knuchel, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Umwelt BAFU, erklärt: „Im Rahmen des Aktionsplans Grüne Wirtschaft wird das BAFU im Frühjahr 2014 Empfehlungen zu Produktumweltdeklarationen publizieren, um die Firmen bei der Bereitstellung qualitativ hochstehender, vergleichbarer Umweltinformationen zu unterstützen. Zudem fördert das BAFU die Bereitstellung der notwendigen methodischen Grundlagen und beteiligt sich an der Pilotphase der EU zur Bewertung des ökologischen Fussabdrucks von Produkten.“

Ökobilanzen übernehmen eine wichtige Funktion zur Bewertung der Umweltwirkung von Produkten. Entscheidend für die Umsetzung in der Praxis ist das Vorhandensein von qualitativ hochstehenden Methoden und einer guten Datenbasis für alle Prozesse, die von den Produktanbietern nicht direkt beeinflusst werden können.

Innovation mittels Ökodesign

Die Bedeutung von Ökoinventar-Datenbanken als Grundlage für Ökodesign und für Ökolabeling wurde am Beispiel des französischen Forschungsprojektes Agri-BALYSE vorgestellt. Dieses hat zum Ziel, eine Ökoinventar-Datenbank für landwirtschaftliche Produkte aus Frankreich zu erstellen. Peter Koch, Projektleiter bei Agroscope, fasst die Haupterkenntnisse zusammen: „Das Projekt hat gezeigt, dass umfangreiche Anforderungen an die Datengrundlagen und an die Dokumentation der Datensätze zu stellen sind. Um ein aussagekräftiges Ökodesign zu ermöglichen, müssen die Daten zudem die konkreten landwirtschaftlichen Management-Praktiken widerspiegeln, transparent sowie ausreichend differenziert und detailliert sein.“

Ergebnisse aus anderen aktuellen Forschungsprojekten verdeutlichen, wie man durch innovative Management-Massnahmen die Umweltwirkungen von Pflanzenbau und Tierhaltung auf nationaler und europäischer Ebene nachhaltig reduzieren kann. So hat ein Beispiel aus dem europäischen Projekt SOLIBAM gezeigt, dass bei der Produktion von Bio-Brot die Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus um bis zu sechzig Prozent reduziert werden können, wenn das passende Wissen mit innovativen Ideen verknüpft wird. Solche Verbesserungen können ohne Kompromisse bei der Produktqualität und bei Ökosystem-Dienstleistungen erreicht werden. Das Ergebnis unterstreicht, dass bei der Optimierung der Umweltwirkungen kleinräumig strukturierte Produktionssysteme mit hoher Diversität erhalten werden können.

„Wir möchten Firmen und Landwirte ermutigen, in Ökodesign zu investieren“, sagt Gérard Gaillard, und erklärt: „Während die Methode in der Industrie bereits verbreitet zum Einsatz kommt, steckt sie in der Landwirtschaft noch in den Kinderschuhen.“ Die neuste Ausgabe der Ökobilanzplattform Landwirtschaft von Agroscope ermöglichte den Austausch von nationalen und internationalen Expertinnen und Experten zum Thema und gewährte den rund fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern Einblicke in den wissenschaftlichen Kontext von Ökodesign und in die Umsetzung des Konzeptes in der Land- und Ernährungswirtschaft.


Adresse für Rückfragen

Gérard Gaillard, Leiter Forschungsgruppe Ökobilanzen
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Reckenholzstrasse 191, CH-8046 Zürich, Schweiz
gerard.gaillard@agroscope.admin.ch
+41 (0)44 377 73 50

Jens Lansche, Projektleiter Forschungsgruppe Ökobilanzen
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Reckenholzstrasse 191, CH-8046 Zürich, Schweiz
jens.lansche@agroscope.admin.ch
+41 (0)44 377 71 57

Ania Biasio, Mediendienst
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Reckenholzstrasse 191, CH-8046 Zürich, Schweiz
ania.biasio@agroscope.admin.ch
+41 (0)44 377 72 74
www.agroscope.ch


Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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