Grusswort von Bundesrätin Doris Leuthard am Eidg. Ländlermusikfest 2007 in Stans

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Bern, 09.09.2007 – Bundesrätin Doris Leuthard | Eidgenössisches Ländlermusikfest 2007

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin,
sehr geehrte Vertreter der Zentralschweizer Regierungen, meine Damen und Herren aus Kultur, Politik und Wirtschaft,
liebe Gäste aus Nah und Fern,
liebe Ländlermusikfreunde.

Baschi und Stress sind Hipp; Gotthard und The Rolling Stones sind bereits Kult.

  • Ländlermusik ist aber viel mehr.
  • Ländlermusik erinnert mich an meine Wurzeln; egal, wo ich auf der Welt das „Rumpfgiigli“, die Klarinette und den Kontrabass höre.
  • Ländlermusik ist Identifikation und Verbundenheit mit unserer Schweiz, mit Heimat und Tradition.

Ich freue mich, mit Ihnen heute das 10. Eidgenössische Ländlermusikfest zu feiern und eine schöne Tradition erleben zu dürfen.

Tradition bedeutet für mich dabei, nicht die Asche zu bewahren, sondern die Fackel weiterzureichen. Als Musikantinnen und Musikanten tragen Sie hier am Eidgenössischen und überall, wo Sie auftreten, diese Fackel weiter. Eine lebendige Fackel, eine Fackel, die Funken sprüht.

Das ist auch mein Bestreben als Politikerin und Bundesrätin. Ich erwarte, dass wir uns alle unserer Vergangenheit erinnern, dass wir zu unseren Wurzeln stehen, unsere Traditionen pflegen und diese Werte an die nächsten Generationen weitergeben. Darauf basieren unsere Gesellschaft und das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen (Sprach-)Kulturen in der Schweiz seit Jahrhunderten. Darauf aufbauend können wir auch unsere Zukunft aktiv gestalten und die bevorstehenden Herausforderungen gut bewältigen. Ich erwarte, dass wir auch freiwillig anpacken; ohne immer zuerst auf den Befehl aus Bern oder Stans zu warten; ohne dass jede Handreichung bezahlt werden muss. Der Beweis dafür, dass grosse Dinge auch mit viel Freiwilligkeit erfolgreich umgesetzt werden können, sind die drei diesjährigen Eidgenössischen; das Turnfest in Frauenfeld, das Schwingfest in Aarau und das Ländlermusikfest hier in Stans.

Gemeinsames Handeln und Freiwilligkeit gehören für mich zu den Grundprinzipien der Schweiz. Genauso wie die Demokratie, der Föderalismus, die Freiheiten oder die Solidarität zwischen den Generationen, die in den Sozialwerken zum Ausdruck kommt. Das hat sich bewährt; daran will ich festhalten.

Es wäre nämlich falsch, wenn wir die Schweiz als AG führen und auf Gewinnmaximierung trimmen würden. Es wäre falsch, unser Land nur auf die lukrativen Grossagglomerationen und auf vernachlässigbare Randregionen zu reduzieren, wie dies auch schon propagiert wurde. Denn gerade ausserhalb der Ballungszentren, in den Regionen, entstehen heute zukunftsträchtige und zukunftsfähige Industrien.

So ist etwa unter dem Slogan „Zentralschweiz innovativ“ ein Netzwerk entstanden, das der gesamten Region nützt. Hier bei Ihnen wird Hightech entwickelt, die nicht nur weltweit, sondern sogar im Weltall Anwendung findet. Hier hat sich ein Wissenstransfer zu den Hochschulen etabliert, von dem alle profitieren können.

Diese Entwicklung will der Bundesrat unterstützen.

  • Beispielsweise in der neuen Legislatur mit einer Wirtschaftspolitik, die neu auch Kantone und Regionen in die nationale Wachstumsstrategie einbindet.
  • Beispielsweise im Rahmen der Neuen Regionalpolitik, indem wir 230 Millionen für die nächsten sieben Jahre zur Verfügung stellen.
  • Beispielsweise, indem wir in Infrastruktur und Bildung investieren und so dafür sorgen, dass junge Leute auch in den Regionen attraktiven Beschäftigungen finden.
  • Beispielsweise mit unserer Landwirtschaftspolitik, indem wir den Schweizer Bauern Grenzen und Märkte öffnen, damit sie neue Gewinnchancen, wie jetzt bei Milch und Käse, auch wirklich nutzen können.

Meine Damen und Herren, wir sind ein modernes Land und wir können uns auf der ganzen Welt auf den vordersten Plätzen behaupten. Wir verfügen über eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft und sind auf den Weltmärkten präsent. Hier dürfen wir zufrieden sein. Das alles haben wir dem offenen Geist und einer positiven Einstellung zu verdanken und der Bereitschaft zur harmonischen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Dadurch macht uns Neues, Modernes auch nicht Angst. Wir packen es an! Genauso wie die Ländlermusikantinnen und –musikanten auch.

Ländlermusik ist moderner als viele denken, selbst wenn gewisse Leute meinen, sie genüge dem radiophonen Verständnis von moderner Musik nicht mehr. Das ist eine falsche Meinung. Denn die Ländlermusik hat nicht nur eine breite Anhängerschaft, sondern sie wirkt – wie hier in Stans – verbindend; sie macht fröhlich und verbreitet Gemütlichkeit. Ländlermusik öffnet sich mit innovativen Kompositionen auch jenen Zuhörern, die sonst dem Hudigäggeler eher skeptisch gegenüber stehen. So sehe ich hier auch viele junge Menschen, die mit Freude und Eifer bei der Sache sind.

Hier am 10. Eidgenössischen Ländlermusikfest demonstrieren Sie Tradition und Innovation gepaart mit Offenheit und Toleranz. Hier hat Überlieferung und Brauchtum ebenso seinen Platz wie das Experimentelle. Hier erklingen harmonische Akkorde und schräge Töne nebeneinander. Damit demonstriern die Volksmusikantinnen und -musikanten eindrücklich: Die Schweiz ist keine Ansammlung von harmoniesüchtigen Traditionalisten.

Die Schweiz bewegt sich!

Ich freue mich deshalb, dass Sie den eingeschlagenen Pfad weiterverfolgen. Sie pflegen Ihre schöne Tradition, ohne sich dabei lediglich an der Vergangenheit auszurichten. Sie sind modern, ohne Ihre Basis zu verleugnen oder zu vergessen. Dafür danke ich Ihnen. Denn mit dieser Grundeinstellung helfen Sie mit, dass man auch in der Politik beim Vorwärtsfahren nicht ständig in den Rückspiegel schaut.

Meine Damen und Herren, man sagt ja: Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder. Das gilt für jede Musikrichtung; egal ob Hipp-Hopp, Rock, Jazz, Klassik oder Volksmusik. Musik ist immer ein Gemeinschaftswerk. Und ein Musikfest wie hier in Stans ist ebenfalls ein Gemeinschaftswerk, zu dem ich Ihnen ganz herzlich gratuliere.

Ich freue mich auf lüpfige Melodien und ein schönes Fest. 

Es gilt das gesprochene Wort !


Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
http://www.wbf.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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