« Konservierende Anbausysteme»: Pflanzen im Dienste des Bodens

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Changins, 04.09.2014 – Gründünger helfen mit, den Boden zu schützen. Neu entwickelte Gründüngungsarten leisten einen Mehrwert, indem sie zusätzlich eine Vielzahl anderer Funktionen erfüllen. Sie tragen dazu bei, den weltweit beobachteten Verlust der Bodenfruchtbarkeit zu bekämpfen. Agroscope untersucht, wie Gründüngungskulturen in innovative Anbausysteme integriert werden können und fördert dadurch die Entwicklung einer konservierenden Landwirtschaft (Conservation Agriculture). Aktuelle Forschungsarbeiten werden am 17. September in Changins vorgestellt.

Der weltweit beobachtete Verlust der Bodenfruchtbarkeit ist beunruhigend. Die wichtigsten Gründe dafür sind Winderosion in den grossen Ebenen, Erosion durch Wasser unter feuchten Klimabedingungen und Verschlechterung der Bodenqualität durch Abholzungen. «In Europa besteht das Hauptproblem darin, dass der Boden an organischer Substanz verliert, weil sich die Ackerbaubetriebe zunehmend spezialisieren. Dies führt dazu, dass keine Tiere mehr gehalten werden, die Produktion von Hofdüngern zurückgeht, die Fruchtfolgen vereinfacht werden und eine tiefe, gleichmässige Bodenbearbeitung stattfindet.», erklärt Raphaël Charles, Leiter der Forschungsgruppe Anbausysteme und Pflanzenernährung bei Agroscope.

Gründüngungskulturen als Gegenmittel
Im Rahmen von kürzlich durchgeführten Versuchen konnte bei rund 50 Gründüngungsarten eine Vielzahl von agronomischen Eigenschaften beschrieben werden. Die Aussaat dieser „Bodenbedecker“ erfolgt nach der Ernte. Einige Arten bedecken nach 20 Tagen bereits die Hälfte des Feldes, schützen den Boden vor Erosion und bilden eine wirksame Konkurrenz gegen Unkräuter. Verstärkt wird dieser Effekt durch eine beträchtliche oberirdische Biomasse, die bis zum Winterbeginn 4 bis 6 t TS/ha erreichen kann und eine potenzielle Anreicherung der organischen Substanz im Boden bewirkt. Im Boden umfasst die Biomasse nochmals rund 2,5 t TS/ha, was einer Wurzellänge von 100’000 km entspricht. Diese wirkt sich positiv auf die Bodenstruktur, die Luft- und Wasserzirkulation sowie auf die Bodenorganismen aus. Die Wurzeln nehmen Substanzen auf wie beispielsweise Nitrat, das der Gefahr der Auswaschung ausgesetzt ist, oder Phosphor, das teilweise im Boden immobilisiert ist. Die Erhaltung der Nährstoffe in der Ackerkrume und deren Verfügbarkeit für die Folgekulturen erlauben es, den Düngereinsatz zu reduzieren. Dieser Effekt wird noch verstärkt durch den Stickstoff, der symbiotisch durch die Leguminosen fixiert wird. Deren oberirdische Biomasse kann aus dem Boden 30 bis 50 kg N/ha akkumulieren und aus der Luft 100 bis 150 kg N/ha. Zusätzlich enthalten die Wurzeln noch bis zu 100 kg N/ha.

Input reduzieren und Böden schonen
Die gezielte Wahl der Gründüngungskultur erlaubt es, bei der Zwischenkultur auf den Einsatz von Herbiziden (wie Glyphosat) zu verzichten, die Folgekultur mit Direktsaat anzubauen (Zuckerrüben, Mais), die mineralische Düngung zu reduzieren und zahlreiche Bodenfunktionen zu erhalten. Durch gezielte Kombination von verschiedenen Arten in Saatmischungen können noch weitere Vorteile in den Bereichen Phänologie, Pflanzenarchitektur, Blüte, Frostanfälligkeit erzielt werden.

Das neue Interesse an Gründüngungskulturen steht im Zusammenhang mit der Entwicklung einer konservierenden Landwirtschaft, die Anbautechniken einsetzt, welche sich positiv auf das landwirtschaftliche Potenzial von Böden auswirken. Dies führt zu einem Umdenken bei den drei Hauptkomponenten der Anbausysteme, indem eine diversifizierte Fruchtfolge, eine Reduktion der Bodenbearbeitung und eine systematische Bodenbedeckung anstrebt wird.

Tagung zum Thema bodenschonende Anbautechniken
Der Bund und mehrere Kantone vergeben Beiträge für bodenschonende Anbautechniken. Die Umsetzung dieser Massnahmen erfordert eine fachliche Begleitung. Dazu organisieren Swiss No-Till (Schweizerische Gesellschaft für bodenschonende Landwirtschaft), ProConseil (Kanton Waadt) und Agroscope  zusammen mit diversen Partnern eine Tagung zum Thema konservierende Bodenbearbeitung: Direktsaat, Gründüngungskulturen, Saatmischungen für die Bodenbedeckung, Kompost. Am 17. September  2014 (Führungen ab 14.00 Uhr) werden die Versuchsanlagen bei Agroscope in Changins (Nyon) präsentiert. Die Tagung richtet sich an Landwirte, Fachleute im Bereich Landwirtschaft sowie an andere interessierte Personen (Weitere Informationen unter: www.agroscope.admin.ch/veranstaltungen).


Adresse für Rückfragen

Raphaël Charles, Dr.
Leiter der Forschungsgruppe Ackerbausysteme und Pflanzenernährung
Agroscope, Institut für Pflanzenbauwissenschaften IPB
CP 1012, route de Duillier 50, CH-1260 Nyon 1, Schweiz
raphael.charles@agroscope.admin.ch
+41 (0)58 460 46 59

Simone de Montmollin, Mediendienst
Corporate Communication Agroscope (CCA)
CP 1012, route de Duiller 50, CH-1260 Nyon 1, Schweiz
simone.demontmollin@agroscope.admin.ch
+41 (0)58 460 41 51

www.agroscope.ch


Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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