Messe!

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Bern, 28.09.2009 – Referat von Bundesrat Ueli Maurer Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, anlässlich der Eröffnung der Züspa in Zürich.

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren

Heute fühle ich mich fast etwas wie der Täter, der zum Tatort zurückkehrt. Denn die Züspa gehört zu meinem früheren Wirkungskreis.

Während 15 Jahren habe ich mit dem Zürcher Bauernverband an der Ausstellung mitgearbeitet und Sonderausstellungen veranstaltet.

Für mich war damals das Motto für die Auftritte an der Züspa immer: Mittelstand statt Mittelmass!

Wir präsentierten beste Produkte – Spitzenqualität, Schweizer Qualität – nicht für eine dünne Kaufkraftelite, sondern für den Mittelstand.

Qualität und Leistung für die breite Bevölkerung. Das ist der Charakter der Züspa, den ich immer geschätzt habe.

Wenn ich zurückdenke an die Jahre, da ich auf der Ausstellerseite war, ist mir noch etwas anderes in Erinnerung geblieben.

Ich habe den Namen Messe immer so treffend gefunden. Ich habe ihn mir mit einem Ausrufezeichen vorgestellt: Messe!  

Ich habe den Namen der Veranstaltung als Aufruf, als Auftrag zum Messen verstanden.

Dass wir uns mit unserm Auftritt an und mit andern Ausstellern messen, dass uns die Besucher messen, dass ich die Gelegenheit habe, von Stand zu Stand zu gehen, Angebote zu vergleichen und diese zu messen. 
  
Der Name „Messe!“ – also mit Ausrufezeichen – beschreibt genau, was hier in den nächsten Tagen geschieht.

Die Veranstalter messen die Besucherzahlen, die Aussteller die Absatzzahlen. Die Kunden messen die Preise und die Qualität des Angebots.

An dieser Messe werden Kundenwünsche gemessen, der Puls der Wirtschaft wird gemessen, der Impuls der Weltwirtschaft wird gemessen, die Fieberkurve der Finanzindustrie wird gemessen – 100’000 Besucher sind besser als jede Kundenbefragung, besser als jede Marktanalyse!

Zusammengefasst kann man sagen: Die Messe misst den Markt.

Und: Die Messe ist Markt. Eine Messe ist Markt ist seiner schönsten Form. Die Transparenz ist hoch, man kann die Angebote einander gegenüberstellen, man kann direkt vergleichen, eben: man kann messen.

Freie Marktwirtschaft kann so kurzweilig und unterhaltend sein. Kein Wunder, ist die Züspa für viele Zürcherinnen und Zürcher einer fix gesetzter Termin; sie wollen den Markt hautnah live miterleben.

Nicht nur, weil sich Marktwirtschaft und Festwirtschaft bei all diesen tollen Degustationsständen so ähnlich sind, sondern weil in jedem von uns noch der alte Jäger und Sammler steckt, aber auch der Optimierer, der das Beste herausholen will.

Freude bereitet der Markt hier auch, weil Konkretes, Nützliches und Handfestes angeboten wird. Keine spekulativen Hochseiltänze mit höchstem Absturzrisiko. Das hier dagegen ist – angelehnt an Lincoln – die Wirtschaft des Volkes durch das Volk und für das Volk.

Sie besteht  vorwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft ausmachen. Die Lehrstellen schaffen, die Arbeitsplätze schaffen, die Innovation schaffen – die halt einfach „schaffen“ und so der Motor unserer Wirtschaft sind.

Wir sollen diese Unternehmen und Unternehmer mehr „schaffen“ lassen.

Gerade in Zeiten des Abschwungs ist es wichtig, dass man nicht noch jenen in den Arm fällt, die anpacken wollen.

Auch wenn der Titel noch so schön, das Motiv noch so edel ist. Auch wenn der Staat nur liebkosen will, wir müssen vorsichtig sein. Denn seine Umarmungen werden leicht zum Würgegriff.

Ich meine da: Zurück zum Markt, sonst droht Murks mit Marx.

Tragen wir Sorge zu jenen, die den Wirtschaftskarren ziehen. Denn es profitieren alle davon. Auch die, die sich es im Karren bequem machen und über jene schnöden, die schwitzend in den Zugseilen liegen.

Wenn sich immer mehr aus der Verantwortung abmelden und die Last sich auf immer weniger Schultern verteilt, wenn immer mehr auf Leistung verzichten und dafür vom Staat Leistungen verlangen, wenn immer mehr von der Gesellschaft als für die Gesellschaft leben, dann müssen wir ernsthaft um Zusammenhalt und Zukunft fürchten.

Auch als Departementschef des VBS bin ich von dieser Entwicklung betroffen. Ich stelle besorgt fest, wie die Quote der Dienstpflichtvollender bei tiefen 55% liegt.

Wenn wir die gesamte Bevölkerung nehmen – Frauen und Ausländer eingerechnet – dann absolviert nicht einmal ein Viertel pro Jahrgang Militärdienst. Von denjenigen, die militärisch eingeteilt sind, liegen über 90% mit ihrer Dienstleistung im Rückstand.

Ob wirtschaftlich oder militärisch gesehen: Es gibt so etwas wie eine Absetzbewegung aus dem Engagement und der Verantwortung.

Die Züspa setzt ein anderes Zeichen. Sie setzt ein Zeichen für Dynamik, Unternehmertum und Wettbewerb.

So kann ich aus freiheitlicher Sicht durchaus für weniger Staat und mehr Züspa plädieren.

Vor allem aber wollen wir den heutigen Tag den Frauen und Männern widmen, die den Karren ziehen; all den Leuten, die unsere Wirtschaft voranbringen.

Denn die Züspa gehört den Leuten, die für unsere Gesellschaft in Franken und Rappen messbare Resultate erzielen – Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Messe!


Adresse für Rückfragen

VBS Kommunikation
Bundeshaus Ost
CH – 3003 Bern


Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport
http://www.vbs.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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