Mit Innovation und Qualität an die Spitze (zuletzt geändert am 14.06.2010)

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(Letzte Änderung 14.06.2010)

Bern, 14.06.2010 – 125 Jahre Schweizerischer Bäcker- und Konditorenmeister-Verband

Sehr geehrter Herr Präsident
Sehr geehrter Herr Direktor
Sehr geehrte Bäckermeister, sehr geehrte Konditorenmeisterinnen
Sehr geehrte Damen und Herren

Seit 8‘000 Jahren wird Brot gegessen. Schon früh also erkannten die Menschen die Bedeutung von Brot als Grundnahrungsmittel. Vor 623 Jahren wurde der Bäckerberuf erstmals urkundlich erwähnt und ist seither – quasi – amtlich beglaubigt. Angesichts solcher biblischer Zeiträume ist Ihr 125-Jahr-Jubiläum schon fast vernachlässigbar. Und dennoch sind diese 125 Jahre wichtig und eine grosse Leistung! Seit dem Einzug der Industrie in den Backstuben vertreten Sie mit grossem Engagement die Interessen der Bäcker und Konditoren. Dazu gratuliere ich Ihnen. Brot ist, wie es der tschechische Schriftsteller Jaroslav Seifert umschrieb, der „Duft aller Düfte, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat.“

Wie wichtig Brot ist, zeigt allein ein Blick auf die Essgewohnheiten der Schweizerinnen und Schweizer. Im vergangenen Jahr wurden täglich 135 Gramm Brot gegessen, fast 50 Kilogramm im Jahr. Wenn die Schweizer dank ihres Brotkonsums friedliebende Menschen sind, dann kann ich nur dazu ermuntern, weiterhin viel davon zu essen! Fakt ist, Brot spielt als natürliches, qualitativ hochstehendes Lebensmittel in der menschlichen Ernährung eine wichtige Rolle. Wenn wir zudem an die riesige Auswahl von Brotsorten denken, läuft uns nicht nur das Wasser im Mund zusammen. Wir können auch feststellen, dass Schweizer Bäcker und Konditoren innovativ und international Spitze sind. Sie bieten rund 200 verschiedene Brot- und Gebäcksorten an, täglich frisch. Diese Leistung verdient Anerkennung.

Mit 2 Mia. CHF Jahresumsatz hat das Bäckerei- und Konditorengewerbe einen wichtigen Anteil am Umsatz der Schweizer Nahrungsmittelwirtschaft.30‘000 Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt mit dem Bäckerei- und Konditorengewerbe verbunden. Jährlich bilden Sie 3‘500 Lernende in Produktion und Verkauf aus. Mit viel Erfolg, belegen doch immer wieder Schweizer Lernende vorderste Plätze an den Berufsweltmeisterschaften. Sie leisten damit einen wichtigen Teil für die Volkswirtschaft unseres Landes.

Dabei haben Sie sich als sehr krisenresistent gezeigt: Obwohl sich die klassische Dorfbäckerei dem Strukturwandel nicht entziehen konnte, ist die Zahl der Beschäftigen in Ihrer Branche in den letzten zehn Jahren recht stabil geblieben. Und Brot erlebt heute – im Zeitalter von Junk- oder Convenience-Food – ein beeindruckendes Revival. Brot passt in all seinen Variationen wie kaum ein zweites Lebensmittel in die Schnelllebigkeit unserer Zeit. Es lässt sich hervorragend transportieren, portionieren und liefert dem Körper in Form einer eigentlichen Rundumversorgung eine enorme Zahl wichtiger Nähr- und Wirkstoffe.

Ebenfalls im Trend liegt die „Ausser-Haus-Verpflegung“: Auf dem Weg zur Arbeit, während der Mittagspause oder unterwegs in den verdienten Feierabend wollen Konsumenten noch schnell etwas zu Essen kaufen. Dabei spielen laut einer eben veröffentlichten Studie die Bäckereien eine wichtige Rolle.

Das alles kommt nicht von ungefähr: Bäcker und Konditoren erfüllen ihre anspruchsvolle und kreative Aufgabe mit viel Engagement und geschickten Händen. Sie reagieren immer wieder positiv auf die sich ständig ändernden Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Innovationsfähigkeit und Ihr klares Bekenntnis zu qualitativ hochstehenden Produkten und zu Schweizer Rohstoffen sind für Sie genauso wichtig wie für die gesamte Ernährungswirtschaft.

Trotz dieser Erfolge werden Sie sich verschiedenen Herausforderungen stellen müssen.

  1. Im zunehmend internationalen Wettbewerb ist Qualität für unser Land immer wichtiger, und das gilt auch für unsere Lebensmittel. Ich habe daher im vergangenen Jahr den Auftrag für eine Qualitätsstrategie erteilt. Dabei ist es nicht geblieben: Unter der Federführung des Bundesamtes für Landwirtschaft haben sich Vertreter von landwirtschaftlichen Produzentenorganisationen, Verarbeitern und Detailhandel, aber auch Vertreter der Gastronomie und des Tourismus, der Konsumenten und der Umweltverbände im März zur ersten Qualitätswerkstatt getroffen; eine zweite wird Ende Juni stattfinden. Die Werkstatt bildete den Auftakt zu einem Prozess, in welchem die Land- und Ernährungswirtschaft gemeinsam die Qualitätsstrategie weiterentwickeln will. Die drei Kernelemente dieser Strategie haben dabei breite Unterstützung gefunden.
  2. Der Import- und / oder Preisdruck wird weiter zunehmen; unabhängig von allen aussenwirtschaftspolitischen Szenarien. Das wird auch Ihre Branche treffen. Mit einer Marktoffensive sollen deshalb die Aktivitäten zur Erhaltung und für den Ausbau der Marktanteile im In- und Ausland verstärkt werden. Die Kräfte im Bereich der Absatzförderung müssen noch stärker gebündelt, die Swissness der Produkte kommunikativ noch stärker in den Vordergrund gerückt werden. Ebenso wichtig wird es sein, den Konsumenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette an die Hand zu nehmen – von der Aussaat des Getreides bis zum ferti-gen Brot in der Bäckerei. Die Qualitätspartnerschaft zwischen den Akteuren der Wertschöpfungskette ist ein wichtiges Element. In diesem Prozess übernimmt der Staat eine begleitende, subsidiäre Rolle. Wir gestalten die Rahmenbedingungen; die Ausrichtung der Ernährungswirtschaft in Richtung Qualität muss auf einer gemeinsamen Strategie aller Akteure der Land- und Ernährungswirtschaft gründen. Sie kennen den Markt. Sie kennen die Bedürfnisse der Konsumenten. Sie wissen, Natürlichkeit, Sicherheit, regionale Produkte und Qualität sind die Trümpfe der Schweizer Ernährungswirtschaft. Politiker haben in der Backstube nichts verloren.
  3. Agrarmärkte sind weltweit am meisten geschützt. Das wirkt sich vor allem auf die Entwicklungsländer negativ aus. Durch Subventionen und andere Stützungen führt dies aber auch zu systemischen Verzerrungen. Die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft ist heute immer noch stark vom Grenzschutz abhängig. Wir rechnen derzeit mit rund 3 Mrd. CHF. Die Öffnung der Märkte ist langfristig kaum aufzuhalten. Die Ernährungswirtschaft muss Wege finden, um wettbewerbsfähiger zu werden. Ich bin überzeugt, dass der Standort Schweiz nur mit einem Zugang zum europäischen Markt für die gesamte Wertschöpfungskette der Ernährungswirtschaft eine Zukunft hat. Ein Abkommen mit der EU in den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, Produktsicherheit und öffentliche Gesundheit, wie wir es seit November 2008 verhandeln, bietet diesbezüglich die Chance, einen langfristig sicheren Arbeitsrahmen mit klaren Spielregeln zu schaffen. Der Bundesrat hat die offensive Strategie gewählt, damit die Lebensmittelbranche eine Perspektive hat und man sich vorbereiten kann. Das Ganze ist eher eine Frage des Timings. Besser ist eine Entwicklung parallel zum Fortschritt der Doha-Runde, als plötzlich vor vollendeten Tatsachen zu stehen. Es ist klar, dass dieser Weg steinig und mit einem Strukturwandel verbunden ist. Bei Ihnen wohl weniger als anderswo. Klar ist aber auch, dass es Übergangs- und Unterstützungsmassnahmen braucht. Es ist geplant, dass die Arbeiten an den Begleitmassnahmen noch in diesem Jahr beendet und konkrete Massnahmen zum Entscheid vorgelegt werden. Die Wirtschaft hat bereits zugesichert, für gezielte Begleitmassnahmen Hand zu bieten. In diesem Zusammenhang habe ich sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass Ihr Verband sich für die Fortführung der bilateralen Verträge einsetzt und auch weitere Öffnungsschritte im Agrar- und Lebensmittelbereich unterstützt.
  4. Die natürlichen Ressourcen werden immer knapper. Prognosen gehen davon aus, dass in vierzig Jahren anderthalb Mal so viele Menschen auf der Erde leben werden wie heute. Ein zunehmend grösserer Anteil der Weltbevölkerung wird vermehrt nach tierischen Produkten nachfragen. Indien wird von einer one- zu einer two-meal-society. Die gute Seite dieser Entwicklung: Es braucht mehr Lebensmittel; dieser Sektor wird zum Wachstumsmarkt. Die negative Seite: Der Produktivitätsdruck auf Landwirtschaftsland wird zunehmen. Wasser wird sich verknappen. Daher müssen wir viele Nahrungsmittel herstellen können; dies mit einem möglichst geringen Aufwand. Und wir müssen die Fläche von landwirtschaftlichem Nutzland sichern.

Insgesamt erwarte ich für die nächsten Jahre, dass die Agrarmärkte volatil bleiben, Klimaveränderungen und Spekulationen dabei eine Rolle spielen, die Preistendenz nach oben zeigt. Die vermehrt genutzten Möglichkeiten, Energie auf der Basis pflanzlicher Rohstoffe herzustellen, führen zu einer stärkeren Koppelung zwischen Energie- und Nahrungsmittelmärkten. Der Einfluss der rasch gestiegenen Nachfrage nach Biotreibstoffen auf die Getreidepreise 2007/08, der Sie natürlich besonders interessiert, hat uns diese Mechanismen deutlich vor Augen geführt. Ende 2008 hat sich die Situation wieder verändert. Beim Getreide wurde auf Grund der hohen Preise mehr angebaut und insbesondere wurde auch die Intensität der Produktion erhöht. Zudem waren die Wetterverhältnisse weltweit günstig, so dass das Angebot 2008/09 die Nachfrage deutlich übertraf. Die Preise fielen entsprechend stark, zusätzlich wohl auch in Erwartung einer sich abschwächenden Nachfrage und in Anbetracht deutlich tieferer Energiepreise. Dies zeigt klar, dass die Agrarmärkte schon bei kleinen Ungleichgewichten sehr stark reagieren können.

Sehr geehrte Damen und Herren, trotz Technisierung und des Umfeldes, das wir nur bedingt beeinflussen können, ist das Brotbacken bis heute eine „handfeste“ Kunst geblieben. Als Handwerker wissen Sie, am Schluss muss das Produkt überzeugen.

  • Ich danke Ihnen, dass Sie uns täglich mit Ihren „Kunstwerken“ bedienen.
  • Ich danke Ihnen aber auch für Ihre Funktion als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, als Ausbildnerinnen und Ausbildner und für Ihren Beitrag, den Sie an das positive Image der Schweiz leisten.
  • Und ich danke Ihnen als Verband für Ihren Einsatz für eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik.

Es gilt das gesprochene Wort!


Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
http://www.wbf.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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