Pilze bis unter die Fingerspitzen

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Changins, 26.11.2009 – Gewisse Pilze der Gattung Fusarium können sich sich für Pflanzen und Menschen als gefährliche Krankheitserreger entpuppen, sind sie doch resistent gegenüber herkömmlichen Mykose-Behandlungen. Ein von der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW initiierter, neuartiger Ansatz wird gemeinsam von drei Institutionen im Genferseebogen (ACW, CHUV [Universitätsspital Lausanne], UNIGE/EPGL [Schule für Pharmazie Genf-Lausanne]) verfolgt. Er soll es ermöglichen, die gegenseitige chemische Kriegsführung dieser Pilze zu nutzen, um Moleküle einer neuen Generation zu erforschen, die anschliessend zu Behandlungszwecken sowohl in der Medizin als auch in der Agronomie mit Erfolg eingesetzt werden könnten.

Fusarium: Krankheitserreger bei Pflanze und Mensch

Die Pilze der Gattung Fusarium, gewöhnliche Bodenpilze, sind oft wichtige Pflanzenpathogene. Gewisse Arten haben sich nun kürzlich als gefährliche Krankheitserreger für den Menschen entpuppt. Sie sind relativ häufig verantwortlich für Nagelmykosen, die praktisch unheilbar sind. Die durch andere Pilze hervorgerufenen Nagelmykosen können unter gewissen Bedingungen Fusarium sp. das Feld überlassen. Diese Probleme häufen sich seit einigen Jahren. Erstaunlicherweise sind die drei auf menschlichem Gewebe isolierten Fusarium-Arten ebenfalls die bekanntesten in der Pflanzenpathologie.

Die Forschung im Dienste der Agronomie und der Medizin

Die Entdeckung neuer Pilzbekämpfungsmethoden im medizinischen wie auch agronomischen Bereich steht somit im Zentrum unserer Anliegen. Pilze sind ein wichtiger Lieferant von natürlichen Wirkstoffen wie Antibiotika, Aromen, Fermenten und Toxinen. Diese Eigenschaft hat die Forscherinnen und Forscher sehr interessiert. Die neusten Forschungsarbeiten von ACW haben gezeigt, dass sich mehrere Pilzarten, die einander im selben Substrat begegnen, gegenseitig durch die Synthetisierung und Abscheidung von Toxinen, den Mykoalexinen, bekämpfen können.

Eine fachübergreifende Forschung, unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Ein von ACW angeführtes Projekt, das die Kompetenzen des Labors für medizinische Mykologie beim dermatologischen Departement des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) sowie des Labors für Pharmakognosie und Phytochemie der Schule für Pharmazie Genf-Lausanne (EPGL/UNIGE) vereinigt, wird vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF/Sinergia) für drei Jahre finanziell unterstützt. Ziel dieses Projekts ist es, die Mykoalexine, d.h. die Waffen mit denen sich die Pilze gegenseitig bekämpfen, wenn sie auf begrenztem Raum aufeinander prallen, zu erforschen, zu nutzen und damit neue pilzvernichtende oder bioaktive Moleküle zu entdecken. Die grundlegenden Forschungsaspekte sollten ebenfalls ermöglichen, die gemeinsamen Eigenschaften von humanpathogenen und pflanzenpathogenen Pilzen besser zu verstehen.

Dank der zwischen diesen drei Forschungsgruppen des Genferseebogens generierten Synergie eröffnet der hier vorgestellte Ansatz grundlegend neue Perspektiven zur Entdeckung natürlicher bioaktiver Wirkstoffe, die bei bisher noch unerforschten Bedingungen entstehen. Die Ergebnisse aus dieser Zusammenarbeit sollen auf Dauer erlauben, sowohl in der Medizin als auch in der Agronomie wirksame Behandlungsmethoden gegen diese schwer auszurottenden Pilze zu erarbeiten.

Bildlegende:

Ko-Kultur von aus menschlichen Mykosen isolierten pathogenen Pilzen. Links (A) Pilz der Gattung Fusarium, rechts (B) Pilz der Gattung Akremonium. Die Mittelzone repräsentiert für jeden der Protagonisten einen Wachstumsstopp. Genau in dieser Zone werden neue Mykoalexine identifiziert und getestet werden in der Hoffnung, neue pilzhemmende Behandlungen zu finden.


Adresse für Rückfragen

Auskünfte:
Katia Gindro
Gruppenchefin Mykologie
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW
Postfach 1012, CH-1260 NYON
Tel.: +41 22 363 43 74
E-Mail: katia.gindro@acw.admin.ch
www.agroscope.ch

Judith Auer
Gruppe Kommunikation
Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW
Postfach 1012, CH-1260 NYON
Tel.: +41 22 363 41 82
Mobile: +41 79 659 47 91
E-Mail: judith.auer@acw.admin.ch
www.agroscope.ch


Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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