Radikale Volksinitiative verbietet klinische Studien

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Radikale Volksinitiative verbietet klinische Studien und gefährdet damit den Forschungsstandort und das Gesundheitssystem der Schweiz

(Zürich)(PPS) Die Swiss Biotech Association warnt eindringlich vor den gravierenden Folgen der radikalen Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot», die am 13. Februar 2022 zur Abstimmung kommt. Neben dem Verbot von klinischen Studien in der Schweiz fordert die Initiative auch ein Importverbot neuer Medikamente, die mit Hilfe von klinischen Studien entwickelt werden. Die Annahme dieser Initiative hätte massive Auswirkungen auf die schweizerische Gesundheitsversorgung und bedroht direkt den Forschungsstandort Schweiz. Forschungsorientierte Unternehmen, ihre akademischen Forschungspartner in Universitäten und Universitätsspitäler müssten ihre Forschungsarbeiten einstellen oder wesentliche Teile ihrer Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten ins Ausland verlagern.

«Die Annahme der Initiative würde einen Grossteil der biomedizinischen Forschung und der Entwicklung neuer Medikamente in der Schweiz verunmöglichen. Gleichzeitig würde Patienten in der Schweiz der Zugang zu innovativen Medikamenten verwehrt und die umfassende medizinische Versorgung in der Schweiz verunmöglicht», sagt Michael Altorfer, CEO der Swiss Biotech Association, dem Branchenverband der schweizerischen Biotech Startups und KMUs, die innovative Medikamente und Therapiemethoden entwickeln.

Die Schweiz hat einen der weltweit führenden Forschungsstandorte aufgebaut und verfügt über ein hervorragendes Gesundheitssystem. Beide Errungenschaften werden durch diese radikale Initiative in Frage gestellt. Die Entwicklung neuer Medikamente ist in allen Ländern der Welt gesetzlich klar geregelt. Dabei werden Tierversuche und klinische Studien überall als zwingende Voraussetzung für die Zulassung neuer Medikamente vorgeschrieben. Diese Studien bilden deshalb eine wichtige Grundlage für die Entwicklung innovativer und lebensrettender Medikamente.

Die Umsetzung der Initiative würde bedeuten, dass in der Schweiz ansässige Unternehmen und akademische Forschungsgruppen keine Tierversuche und klinische Studien mehr in der Schweiz durchführen könnten. Gleichzeitig dürften auch keine neuen Medikamente, die nach den international geltenden Zulassungsbedingungen entwickelt werden, in die Schweiz importiert werden. Eine Annahme der Initiative würde sich daher nachteilig auf die Patienten in der Schweiz und auf alle innovativen Schweizer Unternehmen auswirken, die solche lebenswichtigen Medikamente entwickeln. Die Patienten in der Schweiz könnten nicht mehr von Neuentwicklungen profitieren und wären gezwungen, ins Ausland zu reisen, um Zugang zu neuen Medikamenten zu erhalten. Die innovativsten Schweizer Forschungsunternehmen müssten die Schweiz verlassen. Die Swiss Biotech Association spricht sich daher entschieden gegen diese radikale Initiative aus, da sie einen der erfolgreichsten Biotech-Cluster der Welt zerstören und das Gesundheitssystem und die Patienten in der Schweiz massiv beeinträchtigen würde.

Klinische Studien und Tierversuche sind in der Schweiz und in allen anderen Ländern der Welt gesetzlich vorgeschrieben. Sie bilden eine zwingende Voraussetzung für die Zulassung neuer Medikamente

Ein Verbot von klinischen Studien und Tierversuchen würde die Schweiz international völlig isolieren. In der Schweiz ansässige Forschungseinrichtungen und Biotech-/Pharmaunternehmen müssten entweder die Entwicklung innovativer Medikamente vollständig aufgeben oder wesentliche Teile ihrer Tätigkeit in andere Länder verlagern. Die Schweiz würde sich selbst Beschränkungen für die Entwicklung neuer und innovativer Medikamente auferlegen, die mit den gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsverfahren aller anderen Ländern unvereinbar sind. 

Patienten in der Schweiz wären gezwungen ins Ausland zu reisen, um Zugang zu innovativen Behandlungen zu erhalten

Wie bei den bereits zugelassenen Arzneimitteln, müssen auch für die Zulassung neuer Medikamente Tierversuche und klinische Studien mit gesunden Probanden und Patienten nach strengen internationalen Vorschriften durchgeführt werden. Entsprechende Vorschriften gelten in allen Ländern der Welt. Ein durch die Initiative gefordertes Einfuhrverbot neuer Medikamente würde das Schweizer Gesundheitssystem massiv schwächen und Patienten in der Schweiz den Zugang zu innovativen Medikamenten verwehren.

Biomedizinische Forschung und Innovation sind für ein hochwertiges Gesundheitssystem unerlässlich

Das vorgeschlagene Verbot stellt das Grundprinzip eines fairen und umfassenden Gesundheitssystems in Frage. Die Ärzte würden die Möglichkeit verlieren, Patienten mit den bestmöglichen Therapien zu behandeln. Patienten würde das Recht verwehrt, an klinischen Studien teilzunehmen und von therapeutischen Innovationen zu profitieren.

Innovative biomedizinische Start-ups und KMUs schaffen Arbeitsplätze und bringen internationale Talente in die Schweiz

Die Schweiz ist einer der weltweit führenden Standorte für biomedizinische Innovation. Mehr als 1’000 kleine und mittelgrosse Biotech-Unternehmen beschäftigen über 50’000 hochqualifizierte Arbeitskräfte und ziehen die besten Forscher aus der ganzen Welt an. Auch internationale Investoren haben den Wert und das Potenzial dieser Firmen erkannt und investierten 2020 rund 3,4 Milliarden Franken in Schweizer Biotech Unternehmen. Diese finanziellen Mittel stehen der gesamten Wertschöpfungskette von Start-ups, Zulieferbetrieben, Spitälern und Universitäten zur Verfügung. Mit dem Verbot wesentlicher Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten wären diese innovativen Firmen gezwungen, ihre Arbeitsplätze in andere Länder zu verlagern. Die Schweiz würde dadurch wertvolle Firmen, gut ausgebildete Spezialisten und wesentliche Investitionen verlieren. Gleichzeitig würde auch die akademische Forschung massiv geschwächt.

Die Schweizer Biotech- und Pharmafirmen leisten einen wesentlichen Beitrag für die Entwicklung neuer Medikamente für die Schweiz und die Welt

Schweizer Biotech- und Pharmafirmen bilden einen wichtigen Teil der internationalen Forschungsgemeinschaft, die innovative Therapielösungen für das weltweite Gesundheitssystem entwickelt. Diese internationale Zusammenarbeit ist über Jahrzehnte organisch gewachsen und hat wesentlich zur Entwicklung neuer Medikamente beigetragen, die Schmerzen lindern und Millionen von Menschenleben retten. Diese führende Rolle ermöglicht der Schweiz ein hervorragendes Gesundheitssystem zu unterhalten und sichert gleichzeitig den Patienten in der Schweiz den Zugang zu den neuesten und wirkungsvollsten Therapiemethoden.

Tierschutz in der klinischen Forschung

Wie bei den Versuchen am Menschen unterliegen auch Tierversuche in der Schweiz höchsten internationalen Standards. Das strenge schweizerische Tierschutzgesetz gibt die Rahmenbedingungen vor. Es verlangt Effizienz, Effektivität und Respekt bei der Durchführung von Versuchen, was von den kantonalen Behörden genau überwacht wird. Auf der Grundlage eines der strengsten Systeme zur Verringerung und zum Ersatz von Tierversuchen werden bereits heute, wo immer möglich, In-vitro- und In-silico-Methoden als Alternativen eingesetzt. Eine Verlagerung der notwendigen Tierversuche in andere Länder würde für den Tierschutz keine Vorteile bringen.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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