Schmuggel blüht wie eh und je

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Bern, 01.09.2005 – Erstmals weist der Schweizer Zoll detaillierte Zahlen zu
geschmuggelten Waren aus. Angeführt wird die Liste wie erwartet von
Agrarprodukten und Nahrungsmitteln, bei denen die Preisunterschiede
zum Ausland besonders hoch sind. Dem Bund wurden Abgaben in der
Höhe von insgesamt 156 Millionen entzogen.

Die Schmuggel-Statistik des Schweizer Zolls für die ersten sechs
Monate dieses Jahres zeigt: Geschmuggelt wird wie eh und je. 23’407
Strafverfahren wurden an Ort und Stelle durch die Zollämter
erledigt. Dabei wurden 3,7 Mio. Franken Bussen einkassiert.

Der Zoll hat es jedoch immer mehr mit bandenmässig organisiertem
Schmuggel zu tun und weniger mit einzelnen Gelegenheitsschmugglern.
In der folgenden Statistik sind denn auch nur die grösseren Fälle
erfasst, die nicht im so genannten abgekürzten Verfahren erledigt
werden konnten. Ausserdem beziehen sich die Zahlen auf Fälle, die
im ersten Halbjahr von den Zollfahndungen abgeschlossen worden
sind. Weil die Ermittlungen mehrere Monate oder gar Jahre dauern
können, sind in den Zahlen auch Schmuggelwaren von früher
enthalten.

156 Mio. Abgaben hinterzogen

Insgesamt ermittelten die Zollfahndungen im ersten Halbjahr 2005
in 5256 Fällen. Davon wurden bis Ende Juni 2985 Fälle
abgeschlossen. Dabei hat der Zoll Abgaben in der Höhe von ca. 156
Mio. Franken eingefordert und 2,3 Mio. Franken Bussen einkassiert.
Ausserdem bearbeitete der Zoll 438 Gesuche um Amts- und Rechtshilfe
von ausländischen Behörden.

Im grössten Fall von Fleisch- und Käseschmuggel in diesem Jahr
ging es um Waren im Wert von ca. zwei Mio. Franken und hinterzogene
Abgaben von rund 700’000 Franken. Den Tätern konnte der Schmuggel
von etwa 170 Tonnen Fleisch und Käse nachgewiesen werden.

Den grössten Anteil der Fälle machen mit 37% Agrarprodukte und
Nahrungsmittel aus. Allen voran Fleisch und Käse, aber auch
alkoholische Getränke, Früchte und Gemüse. Weiter wurden
geschmuggelt: Kleider (8%), Uhren und Schmuck (8%), Treibstoffe
(2%), Tabakwaren (1%) usw.

Ausser bei den Agrarprodukten spielen Zölle beim Schmuggel eher
eine unbedeutende Rolle. In den meisten Fällen geht es darum, die
Mehrwertsteuer, die Lenkungsabgabe auf VOC, die Monopolgebühr auf
Alkohol, die Mineralöl- oder die Tabaksteuer zu umgehen.

Gesundheit der Konsumenten bedroht

Gerade beim Schmuggel von Lebensmitteln geht’s aber nicht nur um
Abgaben, die dem Bund entgehen, und um den Schaden für die
heimische Landwirtschaft. Vielmehr auch um die Gesundheit der
Konsumentinnen und Konsumenten, ist doch die Herkunft der Waren
meist ungewiss. Zudem werden die Lebensmittel oft unter
unhygienischen Bedingungen transportiert.

Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten

Der Zoll verfolgt nicht nur Fiskaldelikte. So ist er zum
Beispiel auch beauftragt, den Schmuggel mit Produkten von Tier- und
Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind, zu bekämpfen. In
diesem so genannten nicht-zollrechtlichen Bereich arbeitet der Zoll
eng mit dem Bundesamt für Veterinärwesen zusammen.

Auskunft:
Serge Gumy, Chef Information und Strafuntersuchung,
Oberzolldirektion, Tel. 031/322 67 98
Oliver Brand, Chef Strafsachen, Oberzolldirektion, Tel. 031/322 67
19


Herausgeber

Eidgenössische Zollverwaltung
http://www.ezv.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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