Sichere Stromversorgung in der Schweiz

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Bern, 12.06.2014 – Die Stromversorgungssicherheit in der Schweiz ist gut und auch mittelfristig gewährleistet. Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) in ihrem heute veröffentlichten Bericht zur Stromversorgungssicherheit in der Schweiz. Die wichtigsten Beobachtungsgrössen im Systembetrieb des Übertragungsnetzes und in der Produktion haben sich über die letzten drei Jahre positiv entwickelt. Die Netzverfügbarkeit erreicht im internationalen Vergleich eine sehr hohe Qualität. Der geplante Ausstieg aus der Kernenergie ist mittel- bis langfristig mit Herausforderungen in Bezug auf die Versorgungssicherheit verbunden.

Die ElCom ist verpflichtet, die Entwicklung der Elektrizitätsmärkte im Hinblick auf eine sichere und erschwingliche Versorgung zu überwachen. Aus diesem Grund wertet sie in ihrem Monitoring unter anderem Messgrössen aus den Bereichen Netz und Produktion aus. In Bezug auf den Systembetrieb des Übertragungsnetzes kommt die ElCom zum Schluss, dass sich die wichtigsten technischen Beobachtungsgrössen über die letzten drei Jahre positiv entwickelt haben und die Versorgungssicherheit insgesamt als gut zu betrachten ist. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Anforderungen an den Systembetrieb aufgrund der sich verändernden Lastflüsse in Zukunft zunehmen. Insbesondere bei einem Szenario, bei dem die Importabhängigkeit zunimmt, akzentuieren sich die Herausforderungen bezüglich Systembetrieb und Ausbau der Infrastruktur des Übertragungsnetzes. Die ElCom unterstreicht die Bedeutung einer gesicherten Inlandproduktion und eines gut funktionierenden internationalen Verbundbetriebs als Rückgrat einer sicheren Versorgung.

Bei den Verteilnetzen verweist die ElCom primär auf die ausgezeichnete Netzverfügbarkeit. Die durchschnittliche Unterbrechungsdauer pro Endverbraucher lag im Jahr 2013 bei 25 Minuten und erreichte somit den tiefsten Wert der vergangenen vier Jahre. Diese im internationalen Vergleich hervorragende Qualität ist primär auf die in der Vergangenheit geschaffenen Strukturen – grosser Anteil von ringförmig angeschlossenen Endkunden sowie gut etablierte Pikettdienste – zurückzuführen. In Bezug auf die Investitionstätigkeit geht die ElCom davon aus, dass die Werterhaltung der Verteilnetze insgesamt als gegeben zu betrachten ist.

Seitens der Produktion hält die ElCom fest, dass der Nettoenergieimport im Winterhalbjahr von rund vier Terawattstunden (TWh) über die letzten fünf Jahre stabil verlief. Der Schweizer Kraftwerkspark weist gemäss international üblicher Betrachtungsweise im Winter 2015 eine Leistungsreserve von rund 500 Megawatt (MW) auf. Die Inbetriebnahme der beiden Pumpspeicherkraftwerke Linth-Limmern und Nant de Drance werden sich positiv auf die Leistungsreserven auswirken. Ab dem Jahr 2019 könnten die Leistungsreserven aufgrund zunehmender Last und der Stilllegung der Kernkraftwerke Mühleberg und Beznau I + II deutlich abnehmen, falls die Ziele der Energiestrategie 2050 nicht realisiert werden. In Bezug auf die Energie- und Leistungsbetrachtung erscheint die Versorgungssicherheit aus Produktionssicht bis 2025 als gewährleistet. Allerdings geht die ElCom davon aus, dass aufgrund der erodierenden Marktpreise die Kapitalkostendeckung für die bestehenden Produktionsanlagen eine erhebliche Herausforderung darstellt. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie fällt im Inland eine Produktionsmenge von etwa 25 TWh sowie Leistung von rund 3300 MW weg. Da sich aufgrund der aktuellen Grosshandelspreise neue fossile Kraftwerke auch in der Schweiz nicht rentabel betreiben lassen und die Realisierbarkeit von Fördermodellen im grossen Massstab fraglich ist, dürfte sich die Importabhängigkeit nach Einschätzung der ElCom erhöhen. Eine erhöhte Importabhängigkeit ist aus Sicht der Versorgungssicherheit dann vertretbar, wenn die mit ihr verbundenen Risiken minimiert werden können. Dazu zählen zum Beispiel die Marktzugangsbedingungen und die Verfügbarkeit ausreichender Transportkapazität. Die ElCom fokussiert sich in diesem Sinne auf Massnahmen zur Optimierung des grenzüberschreitenden Stromhandels als Voraussetzung für die Gewährleistung einer sicheren und effizienten Stromversorgung.

Tätigkeitsbericht 2013

Neben dem Bericht zur Stromversorgungssicherheit in der Schweiz veröffentlichte die ElCom heute den Tätigkeitsbericht 2013.

Wie bereits im Vorjahr verstärkte sich im 2013 der Trend in Richtung freier Markt. Vor allem wegen den günstigen Preisen an der Börse haben sich die Wechsel in den freien Markt intensiviert. Der Anteil der berechtigten Endverbraucher, der 2014 gewechselt hat, beträgt 27 Prozent. Die frei gehandelte Energiemenge beläuft sich auf 47%. Das entspricht rund 7500 Endverbrauchern mit einem Konsum von 9 TWh. Der Gesamtverbrauch in der Schweiz beträgt rund 53 TWh ohne öffentlichen Verkehr.

Im Zusammenhang mit der Überführung des Übertragungsnetzes an Swissgrid hat die ElCom die Eigentumsgrenze des Übertragungsnetzes definitiv geklärt, sodass die Abgrenzung vom Verteilnetz einheitlich definiert ist. Das Übertragungsnetz umfasst alle Leitungen und Anlagen auf der Spannungsebene 220/380 kV inklusive Stichleitungen zu den Kraftwerken, die auf dieser Spannungsebene betrieben werden.

Die Gesuche für Netzverstärkungen, die aus den Förderungen erneuerbarer Energien notwendig und über das Netznutzungsentgelt auf der Höchstspannungsebene finanziert werden, haben im Berichtsjahr stark zugenommen. 2013 waren es 95 Gesuche – gegenüber 37 im Jahr 2012. In den letzten 4 Jahren wurden Netzverstärkungen im Umfang von rund 18,5 Millionen Franken mit einer Kraftwerksleistung von insgesamt 123,4 MW bewilligt.

Da sich die Tarifprüfungen sowohl für die Netzbetreiber als auch für die ElCom als sehr aufwändig und langwierig erwiesen haben, erarbeitete sie im Berichtsjahr ein Konzept für einen einfacheren und effizienteren Regulierungsansatz. Mit der sogenannten „Sunshine Regulierung“ sollen sämtliche Netzbetreiber anhand verschiedener Indikatoren einem standardisierten Vergleichsprozess unterzogen werden. Die dadurch geschaffene Transparenz soll dazu dienen, die Qualität und die Kosteneffizienz der Elektrizitätsversorgung auf Basis eines Vergleichs zu steigern. Die Sunshine Regulierung basiert auf dem heutigen Stromversorgungsgesetz. Der Entscheid der Politik über die allfällige Einführung einer Anreizregulierung wird dadurch nicht tangiert.

Die Indikatoren, die als Vergleichsbasis dienen sollen, werden in Zusammenarbeit mit den Verbraucherorganisationen und der Branche erarbeitet und abgestimmt. 2014 und 2015 sind Testläufe ohne Publikation der Ergebnisse vorgesehen. Die ElCom ist überzeugt, dass die Sunshine Regulierung als vergleichsweise milde Regulierungsform für kleine wie auch für grosse Netzbetreiber eine angemessene und sinnvolle Ergänzung zur aktuellen Regulierungspraxis darstellt.

Der Tätigkeitsbericht 2013 der ElCom ist auf ihrer Homepage (www.elcom.admin.ch) aufgeschaltet.

Über die ElCom

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) ist die unabhängige staatliche Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich. Sie überwacht die Einhaltung des Stromversorgungs- und Energiegesetzes, trifft die dazu nötigen Entscheide und erlässt Verfügungen.

Sie überwacht die Strompreise und kann Absenkungen verfügen oder Erhöhungen untersagen. Ferner entscheidet sie als richterliche Behörde bei Differenzen betreffend den Netzzugang oder die Auszahlung der kostendeckenden Einspeisevergütung für erneuerbare Energien. Sie überwacht zudem die Versorgungssicherheit im Strombereich und regelt Fragen betreffend den internationalen Stromtransport und -handel.

Die sieben Kommissionsmitglieder werden vom Bundesrat gewählt. Sie sind von der Elektrizitätswirtschaft unabhängig. Die ElCom wird von alt Ständerat Carlo Schmid-Sutter präsidiert. Sie wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Fachsekretariat in Bern unter der Leitung von Rechtsanwalt Renato Tami.


Adresse für Rückfragen

Carlo Schmid-Sutter, Präsident, Tel. 079 568 15 85
Renato Tami, Geschäftsführer, Tel. 079 763 87 28

Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom
3003 Bern
Tel. +41 (0)58 462 58 33
Fax +41 (0)58 462 02 22
E-Mail: info@elcom.admin.ch
www.elcom.admin.ch


Herausgeber

Eidgenössische Elektrizitätskommission
http://www.elcom.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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