Tätigkeitsbericht 2012 der ElCom und künftige Herausforderungen

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Bern, 13.06.2013 – Die Wechselrate der Endverbraucher mit freiem Marktzugang ist in den beiden letzten Jahren deutlich gestiegen. Nach einer zögernden Phase beginnt der Strommarkt dynamischer zu werden. Das kann dem heute veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2012 der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) entnommen werden. Die Aufsicht über die Tarife und die Versorgungssicherheit sowie die Schaffung der Voraussetzungen für eine Marktintegration der Schweiz in den EU Strombinnenmarkt sind Herausforderungen, welche die ElCom weiterhin prägen werden.

Die ElCom hat das fünfte Jahr seit ihrer Gründung als unabhängige Aufsichtsbehörde im Strombereich hinter sich. Ihr obliegt die Aufgabe, den Übergang von der monopolistisch geprägten Elektrizitätsversorgung zu einem wettbewerbsorientierten Markt zu begleiten. Die ElCom hat eine Erhebung bei den 80 grössten Verteilnetzbetreibern durchgeführt und festgestellt, dass das Wahlrecht in den ersten beiden Jahren nach der Marktöffnung noch wenig genutzt wurde. In den letzten zwei Jahren ist allerdings Schwung in den Markt gekommen: Sowohl die Anzahl der Endverbraucher, welche in den freien Markt gewechselt haben, als auch die damit verbundene Energiemenge verdoppelten sich zwischen 2011 und 2013. Das Recht auf freien Marktzugang haben diejenigen Endverbraucher, welche einen Jahresverbrauch mehr als 100 MWh aufweisen.

Aufsicht über die Tarife

Die ElCom kontrolliert die Tarife für die Energielieferung der festen Endverbraucher (Jahresverbrauch unter 100 MWh) sowie all jener Endverbraucher, die auf den Netzzugang verzichten. Zudem überprüft sie alle Netznutzungsentgelte, d.h. die Netztarife. Die Tarifprüfungen wurden bisher vorwiegend auf dem Übertragungsnetz durchgeführt, weil diese Tarife sämtliche Tarife in der Schweiz beeinflussen.  Mittlere und grosse Netzbetreiber wurden auch überprüft. Die Tarife haben sich durchschnittlich in den letzten fünf Jahren nur wenig geändert. Die Gesamttarife für die Haushalte sind im 2013 für das zweite Jahr in Folge geringfügig gesunken. Die Reduktion ist auf die leicht günstigeren Netznutzungstarife und dabei namentlich die erneute Senkung des Tarifs für Systemdienstleistungen (SDL) zurückzuführen. Energiepreis, Abgaben und Leistungen sowie die Förderabgabe für erneuerbaren Energien (KEV) sind seit 2011 weitgehend konstant geblieben.

Das Bundesgericht und das Bundesverwaltungsgericht haben wichtige Entscheide zur Netzbewertung und zu den SDL-Kosten getroffen, welche inzwischen rechtskräftig sind. Diese Urteile führen zu höheren Netznutzungsentgelten ab dem Jahre 2014. Hinzu kommt eine vom Bundesrat beschlossene Erhöhung des Kapitalzinses WACC (Weighted Average Cost of Capital) auf 4.7 Prozent. Insgesamt führen diese beiden Faktoren zu einer Erhöhung der Netzkosten im Übertragungsnetz um rund 300 Millionen Franken pro Jahr.

Überwachung der Versorgungssicherheit

Die ElCom hat die Aufgabe, die Versorgungssicherheit im Strombereich zu überwachen und insbesondere dafür zu sorgen, dass die Stromnetze sicher, leistungsfähig und effizient betrieben werden. Eine hohe Qualität der Stromversorgung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Netzverfügbarkeit hoch ist und die Energie den Bedarf abdeckt. Die Netzbetreiber haben der ElCom jährlich die international üblichen Kennzahlen zur Versorgungssicherheit einzureichen.

Die Stromversorgung in der Schweiz zeichnet sich durch eine hohe Qualität aus und entspricht den höchsten europäischen Standards. Die durchschnittliche Dauer der ungeplanten Versorgungsunterbrechungen beträgt für das vergangene Jahr 22 Minuten. Dieser Wert ist leicht höher als derjenige von 2011 (16 Minuten). Im internationalen Vergleich ist dies aber immer noch ein sehr guter Wert. Die leichte Erhöhung im 2012 ist vor allem auf die ersten zwei Monate (Sturm Andrea und viel Schnee im Januar sowie extreme Kältewelle im Februar) zurückzuführen.

Möglichst rasche Bezeichnung einer für die Schweiz zuständigen Strombörse

Wegen ihrer geografischen Lage ist die Schweiz mit dem benachbarten Ausland stark vermascht und von den Entwicklungen in der EU stark betroffen. Es bestehen 41 Übergabestellen zu den angrenzenden Regelzonen sowie weitere Verbindungen auf Verteilnetzebene. Eine Regelzone ist ein mit Messstellen festgelegtes Gebiet, für dessen Netzregelung die nationale Netzgesellschaft verantwortlich ist. Nur dank intensiver Kooperation der Übertragungsnetzbetreiber und der nationalen Regulatoren sind die grenzüberschreitenden Stromflüsse überhaupt möglich. Die seit langem bestehende Anbindung ans europäische Verbundnetz muss dabei effizient organisiert sein. Deshalb sind heutzutage die Auktionsregeln an allen Schweizer Grenzen mit den EU-Vorgaben kompatibel. Bis Ende 2014 will die EU ihren Strommarkt vereinheitlichen. Zwischen den Ländern soll der Strom kurzfristig gehandelt werden („Day-ahead-Market“), was zu einer effizienteren Nutzung der Infrastruktur, einer Senkung der Transaktionskosten und einer Erhöhung der Liquidität führt. Die Teilnahme der Schweiz am Market Coupling ermöglicht wettbewerbsfähige Strompreise, was für die Wirtschaft von hoher Relevanz ist.

Um an einer solchen Marktkopplung teilnehmen zu können, muss eine für die Schweiz zuständige Strombörse möglichst rasch bezeichnet werden. Die entsprechenden Vorbereitungsarbeiten sind im Gange. Um die Frage einer Strombörse in Bezug auf die Bedürfnisse der Marktteilnehmer zu analysieren, hat die ElCom mit dem Bundesamt für Energie im letzten Dezember eine Konsultation bei den Marktakteuren durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Betroffenen eine Vertragslösung mit einer etablierten bestehenden SPOT-Börse befürworten.

Aufsicht beim Stromgrosshandel und Anforderungen an Markttransparenz

Die EU ist bestrebt, die Transparenz der europäischen Energiemärkte zu erhöhen. Zu diesem Zweck ist seit Ende 2011 die Verordnung REMIT (Regulation on Wholesale Energy Market Integrity and Transparency) in Kraft. Damit soll ein transparenter Wettbewerb im entstehenden europäischen Strombinnenmarkt gefördert werden. Die schweizerischen Unternehmen müssen den Anforderungen von REMIT in der EU nachkommen, wenn sie Handelsaktivitäten im EU-Raum ausüben. Der Bundesrat beabsichtigt, in der Schweiz analoge Transparenzregeln zu schaffen. Es geht dabei auch darum, die Reputation des Handelsplatzes Schweiz abzusichern. Die ElCom erachtet es als wichtig, möglichst rasch eine gesetzliche Grundlage in der Schweiz für eine vollständige Datenerhebung sowie für einen möglichen Datenaustausch zu schaffen.

Der Tätigkeitsbericht 2012 der ElCom ist auf ihrer Homepage (www.elcom.admin.ch) aufgeschaltet.

Über die ElCom

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) ist die unabhängige staatliche Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich. Sie überwacht die Einhaltung des Stromversorgungs- und Energiegesetzes, trifft die dazu nötigen Entscheide und erlässt Verfügungen.

Sie überwacht die Strompreise und kann Absenkungen verfügen oder Erhöhungen untersagen. Ferner entscheidet sie als richterliche Behörde bei Differenzen betreffend den Netzzugang oder die Auszahlung der kostendeckenden Einspeisevergütung für erneuerbare Energien. Sie überwacht zudem die Versorgungssicherheit im Strombereich und regelt Fragen betreffend den internationalen Stromtransport und -handel.

Die sieben Kommissionsmitglieder werden vom Bundesrat gewählt. Sie sind von der Elektrizitätswirtschaft unabhängig. Die ElCom wird von alt Ständerat Carlo Schmid-Sutter präsidiert. Sie wird unterstützt von einem 35-köpfigen Fachsekretariat in Bern unter der Leitung von Rechtsanwalt Renato Tami.


Adresse für Rückfragen

Dario Ballanti, Kommissionssekretär, Tel. 031 325 84 67

Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom
3003 Bern
Tel. +41 (0)31 322 58 33
Fax +41 (0)31 322 02 22
E-Mail: info@elcom.admin.ch


Herausgeber

Eidgenössische Elektrizitätskommission
http://www.elcom.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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