Tage der offenen Tür bei Agroscope in Wädenswil

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Wädenswil, 07.06.2013 – Forschung erleben – heute und morgen, 7. und 8 Juni, öffnet die Forschungsanstalt Agroscope am Standort Wädenswil ihre Tore. Experten und Laien dürfen eintauchen in die Forschung von Agroscope für die Land- und Ernährungswirtschaft. Staunen, anfassen, degustieren – an 18 Infoständen ist dies möglich. Agroscope-Experten zeigen beispielsweise, wie die innere Qualität von Äpfeln mittels Infrarot gemessen oder wie Saatgut durch eine Dampfbehandlung umweltschonend und effektiv pilzfrei wird (zu diesem Thema Details weiter unten).

Gutes Essen, eine gesunde Umwelt und eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft – dafür forscht Agroscope im Auftrag des Bundes. In Wädenswil forscht Agroscope insbesondere für Hortikultur (Obst, Gemüse, Reben etc.), für gesunde pflanzliche Lebensmittel und für die dazugehörige, moderne Analytik.

Beispiele für die vier Bereiche unserer Forschung

Hortikultur: Agroscope entwickelt Modelle für die Prognose von Krankheiten und Schädlingen, damit Kulturpflanzen mit effizienten und nachhaltigen Methoden geschützt werden können.

Lebensmittel: Agroscope unterstützt die Einführung der Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIR) in der Branche, damit diese die Qualität bei Lebensmitteln exakt erfassen und verbessern kann.

Analytik: Für den Nachweis von Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) und Insekten sowie für die Bestimmung von Pflanzensorten entwickelt Agroscope hochpräzise molekularbiologische und massenspektrometrische Diagnostikmethoden.

Gesetzliche Aufgaben: Wir erfüllen Kontrollaufgaben und gesetzliche Aufgaben, damit in einer möglichst intakten Umwelt gesunde Lebensmittel produziert werden.

18 Infostände zeigen konkrete Projekte

An 18 Infoständen finden sich zahlreiche konkrete Projekte aus diesen vier Bereichen: Die Infostände 1 bis 7 fokussieren auf die Arbeiten, um Schaderreger in der Landwirtschaft möglichst effektiv und umweltschonend in Schach zu halten. Bei den Infoständen 8 bis 11 ist die Vielfalt an Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft das Thema. Um die Qualität dieser Produkte drehen sich die Infostände 12 bis 17. Am 18. Stand zeigt Agroscope Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Land- und Ernährungswirtschaft auf.

Weltweit vernetzt – auch einige unserer Partner stellen sich vor

Unsere Forschenden sind weltweit vernetzt mit Fachleuten, denn Wissensaustausch bringt alle weiter. Wir pflegen zahlreiche internationale und nationale Kooperationen, in Wädenswil etwa mit der ZHAW, die einen eigenen Infostand an den Tagen der offenen Türen von Agroscope hat. Immer stärker arbeiten wir auch in Partnerschaft mit privaten Unternehmen. Darum zeigen sich auch einige unserer zahlreichen Partnerorganisationen: Fructus, Sativa, Branchenverband Deutschschweizer Wein, Verein LandArt im Schlosspark Wädenswil, Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau, Kirschstrasse Schweiz, Distisuisse, Samengärtnerei Zollinger, Lallemand, CITES, Strickhof, VariCom, Plant Science Center sowie die Stadt Wädenswil. Natürlich sind wir auch vernetzt mit andern Bundesämtern. Mit dem Pflanzenschutzdienst und der Alkoholverwaltung etwa arbeiten wir Hand in Hand – diese sind ebenfalls an unseren Tagen der offenen Tür vertreten.

Für das leibliche Wohl sorgt die Festwirtschaft, für Kinder sind am Samstag diverse Spielmöglichkeiten vorhanden. Ein Podium am Samstag um 13.30 ist für alle offen, die an einer Diskussion über pflanzliche Ernährung interessiert sind.

Mit Dampf zu gesunden Gemüsesamen

Gewisse Pflanzenkrankheiten haften an den Samen von Nutzpflanzen. Keimt die Pflanze, wird sie krank. Bildet sie Samen, gibt sie die Krankheit weiter. Aus ökologischen Gründen und wegen Resistenzbildung sind chemische Methoden immer weniger erwünscht. Die von Agroscope entwickelte Desinfektion von Gemüsesamen mit belüftetem Dampf ist rückstandsfrei, effizient, sicher und preiswert (Mitteilung vom 11.03.08). Seither wurde die Methode für eine breite Palette an Gemüse-Samen und ihre Krankheiten optimiert. An den Tagen der offenen Tür am 7. und 8. Juni in Wädenswil wird diese Methode vorgeführt.

Pflanzenkrankheiten werden schon in der Bibel erwähnt: Rost, Brand oder Mehltau des Weizens. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Krankheitserreger der Nutzpflanzen wissenschaftlich untersucht. Schon zu Zeiten der Bibel-Niederschrift wussten die Bauern: Der Schwarzrost des Weizens braucht die Berberitze als Zwischenwirt, der Mehltau wird vom Wind auf Nachbarfelder verfrachtet und der Weizenbrand wird mit den Samen auf die nächste Kultur übertragen. Auch bei den Gemüsearten sind viele wichtige Krankheitserreger bekannt, die mit den Samen übertragen werden: Bei Karotten, Petersilie, Fenchel und Aubergine sind dies zum Beispiel die Pilze Alternaria, auch Septoria und Cercospora. Bei Basilikum, Nüsslisalat, Radiesli und Rucola sind es die Falschen Mehltaupilze.

Vom Heisswasser zum Dampf

Die Pilze, die sich via Pflanzensamen verbreiten (samenbürtige Pilze), werden mit chemischen oder physikalischen Methoden in Schach gehalten. Im Bio-Anbau sind ausschliesslich physikalische Methoden zulässig. Die Heisswasser-Behandlung ist eine seit langem bekannte Methode mit schwerwiegenden Nachteilen: Samen und Pilze sind ähnlich hitzeempfindlich, die Behandlungsdauer ist lang, die Samen nehmen viel Wasser auf, das wieder entzogen werden muss. Die Heisswasserbehandlung ist insgesamt risikoreich, technisch aufwändig und teuer. Daher suchten Experten von Agroscope nach einer preiswerten, zuverlässigen und sicheren Alternative und fanden sie: die Desinfektion mit belüftetem Dampf.

Effektiv, sicher, preiswert und automatisierbar

Dampf mit niedrigem Druck wird in einer einfachen Dampfquelle produziert und in einem Injektor-System soweit mit Umgebungsluft gemischt, bis die gewünschte Desinfektions-Temperatur erreicht ist: wenig mehr als 65o C. Die Samen legt man dazu in einer dünnen Schicht auf ein Netz und lässt sie während einer Zeitspanne von 90 bis 120 Sekunden vom Dampf umströmen und so desinfizieren (siehe Bild links).

Nach der Desinfektion können die Samen direkt gesät oder bei 30o C unter Belüftung getrocknet werden. Die Samen können vollständig von Pilzen befreit werden, ohne dass ihre Keimfähigkeit beeinträchtigt wird (siehe Bild rechts und Mitteilung vom 11.03.08). Seit 2008 wurde die Methode auf diversen Samen getestet. Nur grosskörnige Leguminosen wie Erbsen und Bohnen konnten bisher nicht behandelt werden, ohne deren Keimfähigkeit zu beeinträchtigen. Die Technik ist aber sehr erfolgreich bei vielen anderen Gemüsearten wie Karotten, Petersilie, Fenchel, Auberginen, Nüsslisalat, Radiesli Rucola, Spinat, Tomaten, Zwiebeln.

Die Desinfektion von Samen mit belüftetem Dampf ist zuverlässig, sicher, preiswert und technisch einfach zu automatisieren. Da keinerlei chemische Stoffe zum Einsatz kommen, ist nicht mit Rückständen irgendwelcher Art zu rechnen. Die Methode ist daher für den Biolandbau geeignet.

Bildlegenden:

Einfache Dampfquelle, belüftetes Mischrohr, Behandlungstrichter mit Thermometer, perforierte Fläche zur Desinfektion von Gemüse-Samen auf einem Netz. Diese Pilotanlage reicht bereits für gute Resultate.

Paprika-Sämlinge aus unbehandelten, verpilzten Samen (links, als dunkle Bereiche um die schwarz gewordenen Samen zu erkennen) und aus mit belüftetem Dampf desinfizierten Samen (rechts). Das Resultat: saubere, gesunde Keime dank Dampfbehandlung.


Adresse für Rückfragen

Werner E. Heller, Phytopathologie, Extension Gemüsebau
Forschungsanstalt Agroscope
Postfach, CH-8820 Wädenswil, Schweiz
werner.heller@agroscope.admin.ch
+41 (0)44 783 63 68, +41 (0)79 592 84 73

Carole Enz, Mediendienst
Forschungsanstalt Agroscope
Postfach, CH-8820 Wädenswil, Schweiz
carole.enz@agroscope.admin.ch
+41 (0)44 783 62 72, +41 (0)79 593 89 85


Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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