Umweltbewusstsein geht durch den Magen

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Zürich, 14.11.2008 – Ökobilanzen in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelsektor stehen immer mehr im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Die Konferenz zum Thema hat nun die wahren Umweltkosten der Lebensmittelproduktion aufgezeigt. Fazit: Die Welt ist, was wir essen.

Vom 12. bis 14. November 2008 tagte am Zürcher Standort von Agroscope Reckenholz-Tänikon ART die sechste internationale Konferenz über Ökobilanzen in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelsektor. Die 160 Teilnehmenden kamen aus 32 Ländern aller Kontinente. In 51 Vorträgen und 62 Postern präsentierten Forschende die neuesten Erkenntnisse zum Umwelteinfluss der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion.

Eine Zwiebel am falschen Ort
Die Herstellung von Nahrung kostet nicht nur Geld, sondern verbraucht auch Ressourcen. Die Konferenz zeigte allerdings, dass es dabei weniger auf die Menge als auf die Wahl der Feldfrüchte ankommt. Gemäss einer Studie der ETH Zürich hat eine falsche Pflanze am falschen Ort einen enormen Einfluss auf die Umwelt. Zwiebeln in trockenen Regionen Chinas anzubauen, zehrt an den Wasserressourcen. Die Folgen sind Schäden am Ökosystem, ein sinkender Grundwasserspiegel oder Wasserknappheit. Ziel der Forschenden ist es jetzt, für jede Feldfrucht die beste Region zu finden, damit der Rohstoff Wasser ideal genutzt wird und die Gesamtumwelteinwirkung reduziert werden kann.

Erbsenburger sind umweltfreundlicher
Ferner zeigten die präsentierten Ökobilanzen, dass der Endverbraucher mit seinem Gaumen viel zum Umwelteinfluss beiträgt. Wer beispielsweise auf Hamburger aus Fleisch verzichtet und stattdessen nur solche isst, die aus Erbsen hergestellt werden, belastet die Umwelt bis zu 80 Prozent weniger. Es kommt also nicht nur darauf an, wie und wo wir unsere Lebensmittel produzieren, sondern auch, was die Kunden gerne auf ihren Tellern sehen.

Wegen der unmittelbaren Nähe zum Verbraucher stösst das Thema Ökobilanz auf immer grösseres wissenschaftliches Interesse. Das zeigt sich im enormen Zuwachs der Teilnehmerzahl. Diese ist seit der letzten Konferenz in Göteborg im Jahr 2007 von 60 auf 160 angestiegen. Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die Zahl der Vorträge. Der Organisator Gérard Gaillard sagte: „Ökobilanzen sind nicht mehr nur ein Thema für reiche Länder. Durch die Globalisierung der Nahrungsmittelkette müssen sich heute alle damit befassen und sie tun es – siehe die Beiträge zu Produktionen in Südamerika und Afrika.“ Vor allem die Themen Klima, Wasser, Artenvielfalt, Pestizide und Sozioökonomie stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die Teilnehmenden kompensierten ihren Ausstoss von insgesamt 296 Tonnen Treibhausgasen (Anreise, Essen, Energiekonsum), die während der Konferenz angefallen sind, mit dem Erwerb eines Zertifikates für ein Windenergieprojekt in Indien.

Die nächste Ökobilanzen-Konferenz findet 2010 im süditalienischen Bari statt.


Adresse für Rückfragen

Dr. Gérard Gaillard, Leiter Ökobilanzen
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich
E-Mail: gerard.gaillard@art.admin.ch, Tel. 044 377 71 11

Dr. Denise Tschamper, Leiterin Kommunikation
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART
Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich
E-Mail: denise.tschamper@art.admin.com, Tel. 044 377 72 69


Herausgeber

Bundesamt für Landwirtschaft
http://www.blw.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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