Wissen erarbeiten – Erkenntnisse austauschen die Grundlage für Innovationen

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Bern, 10.03.2008 – Bundesrätin Doris Leuthard | 5th IDF Symposium on Cheese Ripening

Herr Vorsitzender,
Herren Direktoren,
Sehr geehrte Damen und Herren.

Ich freue mich, Sie im Namen der Schweizer Regierung zum 5. „IDF-Symposium on Cheese Ripening“ begrüssen und willkommen heissen zu dürfen. Es ist eine Ehre für die Schweiz und ich freue mich persönlich, dass Sie Agroscope für die Organisation dieses Symposiums ausgewählt haben. Agroscope ist eine der Forschungsinstitutionen meines Departementes. Die erfreulich hohe Teilnahme zeigt mir, dass das Programm auf Ihr Interesse gestossen ist. Ich hoffe, dass Sie sich als Gäste bei uns wohl fühlen und zu neuen Erkenntnissen finden werden.Ich benutze gerne die Gelegenheit – bestimmt auch in Ihrem Namen – der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP und besonders dem Organisationsteam um die Herren Bachmann, Bütikofer und Burkhardt für diese Arbeit zu danken!

Als Wirtschaftsministerin bin ich nicht nur für die Wirtschafts- und Aussenhandelspolitik und damit natürlich für die Agrarpolitik zuständig, sondern auch für die Berufsbildung, die angewandte Forschung und Innovation. Deshalb zählen Bildung, Forschung und Innovation auch zu meinen Prioritäten. Denn Bildung, Forschung und Innovation sind für Beschäftigung, Lebensqualität und damit für den Wohlstand zentral; gerade für Staaten wie die Schweiz, die nicht mit natürlichen Ressourcen gesegnet sind. Sie, meine Damen und Herren, tragen mit Ihren Forschungsarbeiten in einem für die schweizerische Land- und Ernährungswirtschaft zentralen Gebiet Wesentliches bei.

Mehr als ein Drittel des Rohertrags unserer Landwirtschaft wird mit der Milchproduktion erarbeitet. Und praktisch die Hälfte der Milch wird zu Käse verarbeitet. In der Schweiz werden pro Person und Jahr rund 20 Kilogramm Käse konsumiert. Dabei spielen Kaufargumente wie Gesundheit, Geschmack, Qualität und Lifestyle eine immer grössere Bedeutung. So konnte Agroscope nachweisen, dass Alp- und Bergkäse besonders reich an bioaktiven Peptiden sind, was der Gesundheit dienlich ist. Die grosse Bedeutung von Käse für den Konsum als auch für die Wirtschaft zeigt, wie wichtig Ihr Symposium-Thema für uns ist.

Uns liegt viel daran, die Bedeutung der Agrarforschung zu stärken. Wie in anderen Bereichen ist diese Forschung möglichst praxisnah den Bedürfnissen von Wirtschaft und Gesellschaft gemäss auszurichten. Nur so erreichen wir einen effizienten Mitteleinsatz. Die Grundlagenforschung in der Agronomie wird an der ETH Zürich, einem weltbekannten Institut des Bundes, betrieben. Die angewandte Forschung erfolgt unter dem Dach von Agroscope in meinem Departement. Und sie liegt ganz auf der Linie unserer erfolgreichen Innovationspolitik.

  • Erstens: Die Erkenntnisse aus Ihrer Forschung sollen rasch in Produkte umgesetzt werden und auf die Märkte gelangen und damit den Konsumenten einen Mehrwert bringen. „From Science to Market“ ist entscheidend für den Erfolg.
  • Zweitens: Wir wollen die Herausforderungen und Bedürfnisse der Agrar- und Lebensmittelbranche früh erkennen und rasch praktische Lösungen anschieben. Dazu braucht es gute Forscher, adäquate Strukturen, aber auch eine starke Vernetzung der Forschungsinstitution mit der Wirtschaft. Ich bin deshalb froh, dass mit dem „Swiss Food Research“ eine Drehscheibe und Innovationsplattform besteht, die die relevanten Akteure zusammenbringt. Ich schätze und verdanke es, dass sich die Milchwirtschaft, vertreten durch Herrn Riedener, CEO der Emmi AG, auch für das Symposium engagiert hat.
  • Drittens: Weil sich auch in der Wissenschaft das Rad des Fortschritts immer schneller dreht, ist eine Konzentration der Kräfte nötig. Für eine einzelne Forschungsstelle, wie die Organisatorin Agroscope Liebefeld-Posieux, ist es praktisch unmöglich geworden, auf der ganzen Breite und in der notwendigen Tiefe kompetente Forschung zu betreiben. Spezialisierung, wissenschaftlicher Austausch und internationale Vernetzung werden immer wichtiger. Dazu dient dieses Symposium.

Die Schweiz kann und will sich der Öffnung der Märkte nicht entziehen. In einem globalisierten Markt werden Eigenschaften wie Qualität, Sicherheit der Lebensmittel und Rückverfolgbarkeit der Produkte immer wichtiger. Eine Profilierung ist über einmalige, nicht kopierbare Produkte mit eindeutiger Herkunft oder über starke Marken möglich. Agroscope hat dazu beispielsweise spezielle Kulturen für unsere AOC-Käse entwickelt, womit die Rückverfolgbarkeit überprüft und die Konsumenten vor Täuschungen bewahrt werden können. Gleichzeitig wird das Original vor Kopien geschützt.

Weil die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft eine langfristige Zukunftsperspektive braucht, befasst sich der Bundesrat demnächst mit der allfälligen Aufnahme von Verhandlungen mit der EU über eine vollständige Marktöffnung im Agrar- und Lebensmittelbereich. Mit einem solchen Abkommen würde die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft weiter verbessert. Beide Parteien würden profitieren: Der gegenseitige Marktzugang für landwirtschaftliche Produkte ist sowohl für die Schweiz als auch für die EU wichtig. Die Schweiz ist der viertgrösste Abnehmer von landwirtschaftlichen Produkten der EU und absorbiert 8% ihrer Exporte. Knapp drei Viertel der schweizerischen Ausfuhren im Agrar- und Lebensmittelbereich gehen in die EU. Übrigens, für Käse besteht zwischen der Schweiz und der EU seit letztem Sommer Freihandel, was sich nachweislich zum gegenseitigen Vorteil erwiesen hat. 2007 sind 5,8% mehr Käse exportiert worden als im Vorjahr – ein neuer Rekord.

Als Agrarministerin nehme ich die Bedürfnisse der Schweizer Bevölkerung und der Landwirte ernst. Um auf diese Bedürfnisse eingehen zu können, brauchen die Bauern optimale Rahmenbedingungen. Denn die Konsumentinnen und Konsumenten ihrerseits fordern immer stärker Qualität, Frische, Sicherheit, umwelt- und tiergerechte Produktion/Verarbeitung und transparente Deklaration. Sie haben ein hohes Vertrauen in die Schweizer Lebensmittel und schätzen den sorgfältigen Umgang mit der Umwelt und den Tieren. Sie legen Wert auf lokale und regionale Produkte, von denen sie wissen, wie sie hergestellt wurden und von wem. Verschiedene unserer Produkte wie Käse, Schokolade, Wein und Biscuits sind über die Landesgrenze hinaus bekannt und wurden mehrmals ausgezeichnet. Nicht ohne Grund sind wir das Land der Käseweltmeister!

Zu diesen Erfolgen tragen die Forscherinnen und Forscher von Agroscope wie auch Sie, meine Damen und Herren, viel bei – und Sie werden es auch in Zukunft tun. Die Forschung muss heute nachhaltige Lösungen für die gesellschaftlich relevanten Probleme hervorbringen können, und das immer mehr in einem globalen Kontext. So müssen Antworten auf die Herausforderungen rund um den Klimawandel und die Sicherheit der Nahrungsmittelproduktion erarbeitet werden. Deshalb hat beispielsweise das neue Forschungsprogramm NutriScope zum Ziel, den Konsumentinnen und Konsumenten landwirtschaftlicher Produkte ein Maximum an Mehrwert zu bieten. So ist der Konsum von Spurenelementen über Milchprodukte wesentlich genussvoller, als wenn man diese als Tabletten oder Pülverchen einnehmen muss. Genuss und Gesundheit schliessen sich eben nicht aus! Die am Programm beteiligten Partner erreichen dies, indem sie entlang der Lebensmittelkette – vom Anbau bis zum verzehrsfertigen Produkt – die Parameter optimieren, die über die Qualität, Sicherheit und Gesundheit der Lebensmittel aus einer nachhaltigen, inländischen Produktion entscheiden.

Ich hoffe, dass dieses Symposium für Sie als Forschende, Produzenten von Nahrungsmitteln und für uns als Konsumierende ein Gewinn ist und Lösungen für die Praxis aufzeigt. Ich werde mit Interesse verfolgen, was Sie an Wissen generieren. Die Agrarforschung ist wichtig: Die Sicherung einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft ist nicht nur eine herausfordernde, sondern auch eine hehre Aufgabe. Nahrung und intakte natürliche Ressourcen gehören zu den existenziellen Bedürfnissen der Menschen. Wir tragen diesbezüglich gemeinsam eine grosse Verantwortung.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt bei uns in der Schweiz und ein erfolgreiches Symposium.

Damit erkläre ich das 5. „IDF Symposium on Cheese Ripening“ als eröffnet.

Es gilt das gesprochene Wort !


Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
http://www.wbf.admin.ch

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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