Boom bei E-Autos: Gründe und Herausforderungen

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Jahrzehntelang haben die Verbrennungsmotoren unserer Strassen beherrscht. Ihr Dröhnen war allgegenwärtig. Jetzt zeichnet sich eine Zeitenwende ab. Im Juni wurden zum ersten Mal überhaupt mehr vollelektrische Autos als Dieselfahrzeuge verkauft.

Das leise Summen reiner Elektrofahrzeuge wird nicht nur gegenüber den Dieselfahrzeugen häufiger. Mit Blick auf den Gesamtmarkt zeigt sich: Über 14 Prozent der Neuwagen waren im Juni vollelektrisch. Dieser Boom hat vielfältige Ursachen.

E-Auto – schneller, weiter, günstiger

Das Bedürfnis, elektrisch zu fahren, sei bei den Menschen schon lange vorhanden gewesen, sagt Martin Bolliger, Leiter Mobilitätsberatung Touring Club Schweiz. Neu und damit entscheidend für den Boom sei das Ökosystem, das sich in den letzten Jahren rund um die E-Mobilität entwickelt hat.

Die Auswahl an attraktiven Fahrzeugen, die im Durchschnitt 350 km Reichweite oder mehr haben, hat zugenommen. Hinzukommt, dass auch das Netz an Ladestationen in Häusern und entlang der Schnellstrassen ausgebaut wurde.

Doch das sei nicht alles, sagt der Experte: «Fragen, die verunsichert haben, konnten geklärt werden. Insbesondere bezüglich Kosten und Umweltverträglichkeit.» Ängste wurden ab- und Infrastruktur aufgebaut.

Bolliger sieht auch keinen Grund, wieso der E-Boom abreissen sollte. Er geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren der Zeitpunkt kommen wird, wo mehr Neuwagen elektrisch angetrieben werden als mit Verbrennungsmotoren.

Das Schweizer Stromnetz – fit genug?

Weniger Benzin, weniger Diesel – dafür mehr Strom. Für das Elektrizitätsnetz bedeutet das eine erhöhte Belastung. Des Guten zu viel?

«Das Schweizer Stromnetz kann diesen Boom bewältigen. Doch die Stromversorgungsunternehmen, die Netzbetreiber, die müssen sich darauf vorbereiten.» so Marianne Zünd Leiterin Medien und Politik vom Bundesamt für Energie.

Noch sei Zeit genug, diese Anpassungen vorzunehmen. Die E-Autos boomten tatsächlich. Das Ausmass, bei dem das ganze Netz auf sie abgestimmt werden müsste, sei aber noch nicht erreicht.

Ein möglicher Strommangel, den elektrische Autos durch ihr vermehrtes Aufkommen verursachen könnten, würden sie teilweise selbst entschärfen. «Die Batterien in diesen Autos können nützlich sein, wenn sie bidirektional genutzt werden. Dann können sie als kleine Stromspeicher dienen. Und damit helfen, das Stromnetz zu entlasten», so Zünd.

Das Wachstum der E-Mobilität und damit auch der Elektro-Autos auf Schweizer Strassen dürfte sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. Und der einstige Trend wandelt sich fast unmerklich zur Normalität.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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