Das Nötli im Sack bleibt beliebt

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Schon vor der Pandemie veränderten sich unsere Gewohnheiten beim Bezahlen an der Kasse schleichend. So greifen vor allem Jüngere seit längerem lieber zur Plastikkarte oder einer Bezahl-App auf dem Handy statt zur 20er-Note.

Die Pandemie habe diese Entwicklung noch beschleunigt, stellt Dewet Moser, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), fest.

Debitkarte am meisten verbreitet

Debitkarte am meisten verbreitet
srf

An der zweiten Umfrage der SNB zum Zahlungsverhalten haben im Herbst letzten Jahres 2100 Personen teilgenommen. 97 Prozent von ihnen gaben an, Bargeld für alltägliche Ausgaben zu halten. Danach folgt die Debitkarte als zweitwichtigstes Zahlungsmittel, die 92 Prozent der Befragten besitzen. 78 Prozent gaben an, im Besitz einer Kreditkarte zu sein.

Tatsächlich genutzt wird das Bargeld aber immer weniger häufig. So gaben in der ersten Umfrage 2017 noch 70 Prozent der Befragten an, «unregelmässig getätigte» Zahlungen mit Bargeld zu begleichen, 2020 waren es nur noch 43 Prozent. Dagegen erhöhten sich die Anteile der Zahlungen mit Debit- (von 22 Prozent auf 33 Prozent) und Kreditkarten (von 5 Prozent auf 13 Prozent).

Betrachtet man den Transaktionswert der Zahlungen, dann hat die Debitkarte das Bargeld als wichtigstes Zahlungsmittel sogar abgelöst. Der Wertanteil der Debitkarte kletterte gegenüber 2017 von 29 auf 33 Prozent, wogegen der Bargeld-Anteil von 45 auf 24 gefallen ist. Bargeld werde fast nur noch fürs Bezahlen von Kleinbeträgen bis 20 Franken genutzt, schreibt die SNB. (sda)

Pandemie verändert Zahlgewohnheiten

Ihn habe vor allem überrascht, wie stark die Verwendung von Bargeld im letzten Jahr zurückging. Allerdings: «Noch immer werden zwei von fünf Zahlungen mit Bargeld getätigt.»

Es ist jedoch nicht klar, wie gross der tatsächliche Einfluss der Pandemie auf unser Zahlungsverhalten war. «Wir vermuten, dass er immerhin relevant war», so Moser. So sei mancherorts Bargeld zwischenzeitlich gar nicht mehr akzeptiert worden.

Bezahlen, ohne etwas zu berühren

Neben der Pandemie und der Angst vor Viren an der Kasse gibt es auch andere Gründe, warum Menschen immer seltener Münzen und Noten aus ihrem Portemonnaie hervorkramen. So ist es inzwischen vielerorts möglich, mit der Debit- oder Kreditkarte kontaktlos zu bezahlen.

Beliebte 1000er-Noten

Beliebte 1000er-Noten
Keystone

Trotz allem sind grosse Banknoten in der Schweiz nach wie vor weit verbreitet. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den letzten ein bis zwei Jahren mindestens eine 1000er-Note besessen haben. Dieser Anteil habe sich seit 2017 kaum verändert, so die SNB. Grosse Noten würden in erster Linie für teurere Anschaffungen eingesetzt, wie beim Kauf eines Autos oder von Möbeln. Stark rückläufig sind Einzahlungen am Postschalter mit grossen Noten. Und auch verschenkt würden sie kaum mehr. (sda)

Man muss die Karte also nicht mehr in ein Gerät stecken und mühsam einen Code eintippen. Das ist bequem, einfach und sicher – und wird von den Studienteilnehmenden inzwischen sogar als benutzerfreundlicher eingestuft als das gute alte Bargeld.

Rückkehr zum Bargeld fraglich

Für das Bargeld, das bekanntlich die SNB herausgibt, sind das kaum gute Nachrichten. «Doch das heisst nicht, dass Bargeld tot ist», betont SNB-Vizedirektor Moser. Cash habe nach wie vor sehr gute Eigenschaften und sei als komplementäres Zahlungsmittel sehr gut einsetzbar.

Dabei spielt es für die Nationalbank keine Rolle, auf welche Art und Weise wir unsere Rechnungen bezahlen. Sie sei verantwortlich, dass Wirtschaft und Bevölkerung mit Bargeld versorgt werden und dass der bargeldlose Zahlungsverkehr funktioniere, sagt Moser.

Übrigens ist es fraglich, ob Bargeld nach Ende der Pandemie wieder vermehrt genutzt wird. Denn ein Drittel der von der Nationalbank befragten 2100 Personen gab an, das eigene Verhalten beim Bezahlen nachhaltig verändert zu haben. Deshalb: «Cash ist King» gilt wohl immer weniger.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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