Fanpräsenz im Stadion dient vor allem der Vermarktung

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Eine Fussball-EM mit leeren Stadien wollte die UEFA unbedingt verhindern. Sie hat deshalb die Austragungsländer unter Druck gesetzt. Etwas zähneknirschend haben die meisten dann eine gewisse Anzahl Fans pro Stadion bewilligt. Und so kommt es nun, dass auf den Tribünen gejubelt und gelitten wird – trotz Pandemie.

Leidenschaft geht nicht künstlich

«Der Zuschauer bringt eine Leidenschaft für ein Team, für eine Veranstaltung», sagt Michael Mrkonjic, Leiter Sportökonomie an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen. Für die UEFA sei das Publikum deshalb zentral. «Ohne Zuschauer sieht man nicht das Produkt, das die UEFA Euro oder die Champions League ist.»

Letztlich ist die Euro 2020 also ein Produkt, das verkauft werden will. Gut ist das Produkt allerdings nur mit Publikum vor Ort. Denn die Leidenschaft der Fans lässt sich nicht mit eingespieltem Klatschen oder Zurufen künstlich herstellen.

«Man hat versucht, mit künstlichen Geräuschen verschiedene Emotionen ins Stadion zu bringen», weiss Mrkonjjic. «Aber bei der EM sieht man jetzt, dass der Zuschauer eine sehr wichtige Rolle hat.»

Über zwei Milliarden Euro Einnahmen

Für das Gesamtprodukt Fussball-EM ist das Publikum also unabdingbar. Finanziell hingegen spielt der zahlende Fan im Stadion schon lange nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und den VIP-Paketen machten an den vergangenen Europameisterschaften noch höchstens 20 Prozent aus. Und dieses Jahr sind es sicherlich weniger, weil die meisten Stadien maximal zur Hälfte gefüllt sind.

Aber die UEFA kann es verschmerzen. Mit Abstand am meisten verdient sie ohnehin mit den Rechten, beispielsweise um das Turnier ausstrahlen zu können. Und die Erlöse aus diesen Rechten steigen mit jeder EM. Deshalb rechnet die UEFA dieses Jahr mit Gesamteinnahmen von deutlich über zwei Milliarden Euro. Das ist mehr als je zuvor.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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