In Schwellenländern steigt die Nachfrage nach Fleisch

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  • Die Welternährungsorganisation der UNO kommt zum Schluss, dass Fleisch bei der Ernährung auch in Zukunft eine grosse Rolle spielen wird.
  • Die FAO erwartet eine Zunahme der globalen Fleischproduktion. Zwischen den Weltregionen wird es allerdings deutliche Unterschiede geben.
  • Gefährdet sind auch die Klimaziele und der Kampf gegen den Hunger.

Beim Fleischkonsum nähern sich reiche Industrieländer und der Rest der Welt an. Auf der einen Seite die Industrieländer: Hier dürften Steaks und Schinken im kommenden Jahrzehnt immer seltener auf dem Teller liegen, erwartet die UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO in ihrem Ausblick bis ins Jahr 2030. Wegen wachsender Umwelt- und Gesundheitsbedenken werde die Nachfrage vor allem nach rotem Fleisch sinken. Konsumentinnen und Konsumenten würden dafür mehr zu Poulet- oder Milchprodukten greifen.

Ganz anders ist die Erwartung für die Schwellenländer: Hier dürfte die Nachfrage nach tierischem Protein gemäss FAO in der nächsten Dekade deutlich zunehmen. Das zeigt auch die weltweite Zunahme der Fleischproduktion um 13 Prozent. Um die wachsende Nachfrage bedienen zu können, müsse die Produktivität verbessert werden – über besseres Futter und bessere Züchtungen. Das allein werde aber wohl nicht ausreichen, um den stark steigenden Bedarf zu decken, so die Expertinnen und Experten.

Pariser Klimaziele gefährdet

Auch die Herden würden grösser werden. Und das heisst: Für die globale Fleischproduktion wird künftig noch mehr Land gebraucht. Gleichzeitig würden auch die Klimaemissionen durch die wachsende Fleischproduktion zunehmen. Die FAO erwartet hier ein Plus von vier Prozent bis 2030.

Damit dürfte es noch schwieriger werden, die Pariser Klimaziele zu erreichen, schreiben die Fachleute – sofern die Politik keinen Sondereffort leiste, um Gegensteuer zu geben. Auch ein anderes Ziel der Staatengemeinschaft dürfte verfehlt werden. Es geht um den Kampf gegen Hunger. Denn: Auch wenn viele Menschen, vor allem in Asien, künftig mehr Fleisch zwischen die Zähne bekommen, viele andere auf der Welt werden dabei zuschauen müssen.

Rückschlag wegen Coronavirus

Die Covid-Pandemie hat Erfolge im Kampf gegen den globalen Hunger zunichtegemacht – unter anderem deshalb, weil die Einkommen vielerorts gesunken und die Preise für Lebensmittel gestiegen sind. Darunter leiden vor allem Menschen in armen Ländern, insbesondere in Sub-Sahara Afrika: Ihre Ernährungslage werde sich wohl gar nicht verbessern, so das erschütternde Fazit. Das UNO-Entwicklungsziel, den globalen Hunger bis 2030 ganz zu eliminieren, sei nicht mehr zu schaffen, schreiben die FAO-Fachleute.

Doch auch um die Menschen, die genug zu essen haben, macht sich die FAO Sorgen. Denn viele Menschen ernährten sich zu fettreich – mit steigender Tendenz. So dürften 60 Prozent der zusätzlich verzehrten Kalorien im nächsten Jahrzehnt auf Fett entfallen, aber nur sieben Prozent auf Obst und Gemüse. Das ist ungesund, macht Menschen krank und könnte zu einer Belastung für die Sozialsysteme werden. Auch hier empfiehlt die FAO der Politik, stärker gegenzusteuern. Es bleibt also noch eine Menge Arbeit.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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