Ivan Glasenberg: ein Leben für Glencore

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Morgens um acht Uhr hat Ivan Glasenberg bereits das morgendliche Sportprogramm absolviert: Joggen, Schwimmen, Biken und ist schon länger im Büro. Wer nach halb neun Uhr zur Arbeit erscheint, werde von ihm trocken mit einem «Good Afternoon», guten Nachmittag begrüsst, heisst es. Glasenberg bestätigt: Im Rohstoffgeschäft sei man entweder voll dabei, oder verliere gegen die Konkurrenz.

Zum Rohstoffhandel gestossen ist der gebürtige Südafrikaner während seines Studiums in Buchhaltung. Er habe wegen eines Projekts ein Rohstoffunternehmen besucht, und dann habe er die Händler am Telefon sprechen hören. Er habe sich ins Büro geschlichen und dann gesehen, wie sie Rohstoffe wie Kupfer oder Kerzenwachs zwischen Chile und Japan verschoben hätten. Es habe ihn fasziniert, dass die Menschen von ihren Bürotischen in Südafrika aus physische Rohstoffe rund um die Welt schicken konnten, erzählt er.

Zusammen mit Marc Rich eingestiegen

Glasenberg ist über den Kohlehandel in die Rohstoffwelt eingestiegen, Anfang der 1980er Jahre im Konzern des umstrittenen Zuger Rohstoffhändlers Marc Rich. Ähnlich wie Rich hat er sich hochgearbeitet, mit allen Konsequenzen.

2002 stand er dann an der Spitze von Glencore, des Nachfolgekonzerns von Marc Rich, mittlerweile einer der grössten Rohstoffkonzerne der Welt. Zum Kohlegeschäft selbst, das ihm den Weg ganz nach oben geebnet hat, habe er übrigens keine emotionale Bindung.

2011 an die Börse

Einer grösseren Öffentlichkeit dürfte Ivan Glasenberg 2011 bekannt geworden sein. Damals brachte er den Konzern an die Börse. Quasi über Nacht wurde offensichtlich, wie gross und mächtig die Zuger Glencore war – und er machte sich und seine Gefolgsleute zu mehrfachen Milliardären.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler hält grosse Stücke auf den Konzernchef. «Glasenberg ist für mich ein Top-Unternehmer. Er ist topseriös.» Dass er oft unnahbar wirke, bringe seine Position mit sich. «Ich habe bei offiziellen Treffen auch einen anderen Glasenberg kennengelernt.»

Kein Interesse an NGO

Ivan Glasenberg mehrfach getroffen hat auch Chantal Peyer. Als Vertreterin des Hilfswerks «Brot für Alle» hat sie ihm vor einigen Jahren verschiedene Recherchen über Unregelmässigkeiten rund um die Aktivitäten von Glencore in der Demokratischen Republik Kongo präsentiert. «Herr Glasenberg ist ein Mensch der Macht. Er ist sich nicht gewöhnt, sich mit anderen Ansichten auseinanderzusetzen. Er sagte ganz klar: Wir sind nicht an der UNO», sagt sie. Er suche nicht unbedingt einen Dialog auf Augenhöhe. «Er hat die NGOs als ein Risiko gesehen, das man unter Kontrolle halten muss.» Glasenberg bestätigt, dass er wenig von NGOs halte, vor allem, wenn sie vom Ausland aus eine Situation in einem Land beurteilen wollten.

Nun tritt der 64-Jährige ab. Künftig wolle er etwas mehr schlafen, mehr Sport machen und verschiedenen Investitionen nachgehen, zum Beispiel in eine Farm in Litauen, der Heimat seines Vaters.

Glasenberg ist stolz, Glencore innerhalb von zwei Jahrzehnten so gross gemacht zu haben. Bereuen würde er nichts. Als CEO sei es seine Aufgabe gewesen, einen passenden Nachfolger zu finden. Das habe er mit Gary Nagle getan. Dieser bringe nun neue Ideen ein. Sollte etwas nicht gut laufen, werde er mit seinem Nachfolger reden wollen. Denn: Glasenberg bleibt grösster Einzelaktionär des Milliardenkonzerns.

Über den Autor

Gordian Hense
Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

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